Kolumne
Kommentare 2

Von Onlineriesen und Lieblingsläden.

Lieblingsbuchladen, Köln

Seit zehn Jahren leben wir auf dem Land, und seitdem rettet der Onlinehandel mein Leben. Da ich nun mal nicht zu den organisiertesten Menschen unter der Sonne gehöre, weiß ich es total zu schätzen, dass ich sämtliche Kindergeburtstagsgeschenke per Premiumdienst doch noch pünktlich nach Hause geliefert bekomme. Ich war schon Onlinebanking-Kunde, als meine beiden Digital Natives noch als Joghurt in der Kühltheke gelegen haben, wie man im Rheinland so schön sagt. Und auch mein Lesen habe ich nach und nach digitalisiert, ohne dass ich mir das jemals so richtig bewusst gemacht habe. Es war einfach so furchtbar praktisch, immer 100 Bücher auf dem E-Reader in der Handtasche zu haben und so schön gemütlich, abends im Stockdunkeln mit Beleuchtung zu lesen.

Als ich dann den Buchblog angefangen habe, wuchs die Sehnsucht nach echten Büchern. Zuerst aus ganz oberflächlichen Gründen, denn Fotos von grauen Covern auf glanzlosen Geräten sehen nun mal einfach scheiße aus, egal ob man einen voll hippen Veilchenstrauß daneben stellt oder nicht. Dann habe ich irgendwann vor einem Termin nach Monaten mal wieder in einem kleinen Buchladen in Köln Sülz gestanden und zufällig gehört, wie die Buchhändlerin einer Frau neben mir auf ganz großartige Art und Weise zwei Bücher vorgestellt hat. Und da ist mir klar geworden, wie sehr ich es eigentlich vermisst habe, mit echten Menschen über echte Bücher zu sprechen. Oder durch echte Regale zu streifen und sich von einem Bücherstapel und Klappentext zum nächsten zu lesen. Mir ist aufgegangen, dass ich überhaupt nicht möchte, dass der Buchhandel sich verändert oder gar stirbt, nur weil ich mich verändert habe. Und seitdem hab ich das Bücher-im-Laden-Kaufen wieder auf dem Zettel.

Mein Verbündeter ist zehn, einer meiner eben erwähnten Digital Natives und hängt genauso gerne in Buchläden rum wie ich. Wir durchstreifen die Gänge, verlieren uns hinter Stapeln und zeigen uns gegenseitig stolz unsere Entdeckungen. Bücherkaufen ist zu unserer gemeinsamen Leidenschaft geworden wie in den Zoo gehen oder Spaghettieis essen. Und ich liebe jede Sekunde davon.

Natürlich kaufe ich immer noch viele Bücher online, weil ich es einfach nicht anders schaffe. Kürzlich bin ich aber dazu übergegangen, sie bei genialokal.de zu bestellen. Hinter dieser Plattform stehen hunderte Buchhandlungen aus ganz Deutschland, und man kann sich aussuchen, ob man die Bücher bestellen und im Buchladen in der Nähe abholen oder nach Hause geliefert bekommen möchte. Meine bestellten Bücher sind mir innerhalb von 48 Stunden aus einer Buchhandlung in Köln Kalk nach Hause geliefert worden. Selbstverständlich haben sie durch die Buchpreisbindung genau das Gleiche gekostet wie überall, und Liefergebühren habe ich auch keine bezahlt. Ich habe damit einen Weg gefunden, meinen Lieblingsbuchladen zu unterstützen – oder deinen. Schließlich ist jeder Buchladen der Lieblingsbuchladen von irgendwem.

Manchmal liege ich abends im Bett, klappe mein Buch auf und starre einen Moment lang im Dunkeln auf die Seiten, weil ich vergessen habe das Licht anzumachen. Bei jedem Knick, den ich in die Seiten mache, grinse ich froh in mich hinein. So ein echtes Buch und ich, das ist schon ok. Jeder hinterlässt Spuren am anderen. Wie wahre Liebe eben, total analog.

TEILEN MIT:

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.