Bücher, Romane
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Verlieben für Fortgeschrittene.

Vom Winde verweht, Margaret Mitchell

Ich lese selten Liebesromane, und vielleicht mag das die eine oder andere sehnsuchtsvolle Seele hier enttäuschen. Ich kann nicht einmal so richtig sagen, woran das liegt, denn schließlich gehöre ich zu den Menschen, die sich auf jedwede brasilianische Telenovela mit vorhersehbarem Happy End stürzen.

Bei Büchern ist das anders. Mit den Jahren, die ich lesend verbringe, sind die Kriterien vielleicht härter geworden und die Messlatte höher. Oder es ist schlicht die Tatsache, dass nach DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER CHOLERA nicht mehr viel kommt.

Zwei Liebesromane stehen bei mir im Regal, und jetzt, wo ich das hier aufschreibe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob man sie überhaupt als solche degradieren sollte. Der eine ist VOM WINDE VERWEHT. Ich weiß noch, wie ich ihn in meiner Studienzeit, auf einem Liegestuhl in Florida gegen die Sonne ankämpfend, förmlich verschlungen habe, während mein damaliger Freund mir ständig in den Ohren lag, ich solle doch lieber etwas mit ihm unternehmen. Ich war taub für seine Vorschläge, war ich doch in eine so viel größere Geschichte verstrickt als in unsere, und so fuhr er alleine im Mietwagen los, ein in meiner Erinnerung eher gesichtsloser Kerl mit einem verkniffenen Blick und langen Haaren, der mir aus Wut wahrscheinlich vollkommen zu Recht mal eine Bratpfanne durch die geschlossene Küchentür seiner WG nachgeworfen hat.

„Sir,“ she said, „you are no gentleman!“ An apt observation, he answered airily.
„And, you, Miss, are no lady.“

(Gone with the Wind)

VOM WINDE VERWEHT erschien im Juni 1936 und wurde schnell ein großer Wurf der amerikanischen Literatur. Die Entwicklung der impulsiven Scarlett O´Hara in den 1860ern von der Southern Belle zur Kämpferin um das eigene Land, ihr Aufstieg aus der Asche einer im Bürgerkrieg niedergehenden Familie und Ära, ihre Verbindung zum Lebemann Rhett Butler, das alles brachte Margaret Mitchell 1937 den Pulitzer-Preis ein. Mir hat mal jemand gesagt, dass manche Menschen die Welt einfach brennen sehen wollen. Bei Scarlett ist mir bis heute nicht klar, ob der Krieg oder sie selbst ihre Welt dauerhaft anzünden, und darin finde ich mich vielleicht auch ein bisschen wieder, in dieser Persönlichkeit, die permanent viel zu sehr für irgendetwas brennt, während andere zufrieden vor sich hinkokeln.

„I can’t think about that right now. If I do, I’ll go crazy. I’ll think about that tomorrow.“
(Gone with the Wind)

Übrigens sollte Mitchells Werk ursprünglich TOMORROW IS ANOTHER DAY heißen. Die Ausgabe von 1960, die bei mir im Regal steht, ist mir von einer lieben Freundin überlassen worden, die alte Bücher ihrer Großeltern aussortiert hat. Das Exemplar, das ich in Florida zerlesen habe, ist längst weg wie die Erinnerung daran, ob der Name des besagten Freundes am Ende eigentlich mit K oder C geschrieben wurde.

Der zweite Liebesroman ist Jane Austens PRIDE & PREJUDICE, hier in der glanzvollen Chiltern Edition. Ich bin mir nicht sicher, ob es überhaupt eine Romanfigur gibt, die weiter von meinem eigenen liebenden Selbst entfernt ist als Elisabeth Bennet. Vielleicht verbindet uns, dass wir beide nicht total schlicht im Hirn sind und in schwachen Momenten lieber Jane Bennet sein wollen, keine Ahnung, oh Gott wäre mir dann langweilig, aber immerhin wäre ich hübsch. Mein pubertäres Selbst hasst es bis heute, dass Jungs einem manchmal einfach schlicht das Gefühl geben, dass man zwar irre interessant, aber einfach nicht gutaussehend genug ist.

She is tolerable, but not handsome enough to tempt me … ”
(Pride an Prejudice)

Außerdem ist meine Mutter ähnlich kurios wie ihre, nur sehr viel südländischer. Und jetzt, wo ich es mir überlege, könnte so manche Bemerkung des Bennet-Vaters auch von meinem eigenen stammen, der seine beiden Töchter mit einer ähnlichen Bewunderung und lächelnden Nachsicht geliebt hat.

„Vanity and pride are different things, though the words are often used synonymously. A person may be proud without being vain. Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.”
(Pride an Prejudice)

Mag sein, dass der Roman auch ein Sittenportrait ist. Es gäbe kaum etwas, das mich weniger interessiert. Ich liebe die leidenschaftlichen Stellen. Nirgendwo liest sich die Liebe so schön wie bei Jane Austen. Höchstens eben bei Gabriel García Márquez. Aber das ist eine andere Geschichte.

Diese Ausgaben empfehle ich dir:
PRIDE & PREJUDICE in der Chiltern Edition
STOLZ & VORURTEIL, Taschenbuch
VOM WINDE VERWEHT in der neuen Übersetzung (Januar 2020)

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1 Kommentare

  1. melanue sagt

    Liebe Nina, es macht wieder Spass Deine Zeilen….. zu lesen….
    Und …. Ja, Jane Austen lässt Ihre Romanfiguren… mit schlicht herrlich rebellischen Zügen aufleben…Man bedenke die Zeit, in der die Damen mit weniger oder mehr Geld im Jahr zurecht kommen mussten, und das es entweder Ehe oder Kloster gab….Du hast mir grad wieder Lust auf Mr.Darcy gemacht……werde morgen direkt in meinem Bücherberg ausschau halten…. Grossartig!
    Auf bald….-M.

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