Bücher, Krimis
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Pageturner! Gruselhaus in New York City.

Verschließ jede Tür, Riley Sager

Es gibt Bücher, die kann man mal eben so weglesen. Das macht sie keinesfalls zu schlechten Büchern, ganz im Gegenteil. VERSCHLIESS JEDE TÜR ist so ein Buch. Beim Wegsuchten des gut gestrickten Thrillers kann man wunderbar abschalten, und das ist aktuell ja schon die halbe Miete. Die Story hat ein bisschen was von einer Netflix-Serie, denn sie macht von Anfang an total neugierig, dann plätschert sie streckenweise relativ vorhersehbar vor sich hin, und dann wird es auch noch mal so richtig spannend. Und eklig. Alles in allem ist das ein guter Mix für ein langes, verregnetes Wochenende, auch wenn der Thriller für meinen Geschmack noch gruseliger hätte ausfallen können. 

Zur Handlung:

Die junge Jules ist nicht gerade ein Glückskind und schlägt sich nach mehreren Schicksalsschlägen mehr schlecht als recht in New York durch. Als sie die Gelegenheit bekommt, im legendären Bartholomew Building an der wohlhabenden Upper West Side gegen viel Geld auf eine Wohnung aufzupassen, schlägt sie sofort ein. Allerdings hat das geheimnisumwitterte Herrenhaus, das direkt am Central Park gelegen ist, eine ziemlich dunkle Vergangenheit, und auch die Bewohner sind nicht gerade zugänglich. Zudem enthält Jules‘ Wohnungssitter-Vertrag ziemlich kuriose Klauseln. Eine davon ist, dass sie jede Nacht in der Wohnung verbringen muss. Eine andere, dass niemand sie dort besuchen darf. Dazu gesellt sich nachts schon bald das Gefühl, in den äußerst luxuriösen vier Wänden nicht alleine zu sein.

Doch Jules muss durchhalten, denn sie braucht das Geld. Schon bald erfährt sie, dass es neben kauzigen Schriftstellerinnen, überdrehten Filmstars oder schwerreichen Rentnern noch andere Wohnungssitter gibt, die ähnlich allein auf der Welt sind wie sie selbst. Als eine davon, die quirlige und lebensfrohe Ingrid, plötzlich verschwindet, fängt Jules an Fragen zu stellen. Und bringt sich damit in eine riesige Gefahr. 

Legendäre Nachbarschaft, gute Story.

Da ich letztes Jahr in New York war, hatte ich beim Lesen des Thrillers die Gegend, in der sich die Geschichte abspielt, fast schon unheimlich genau vor Augen. Denn Riley Sager hat das Bartholomew in direkter Nähe des legendären Dakota Buildings angesiedelt, vor dem 1980 John Lennon erschossen wurde. Man sagt, Yoko Ono habe immer noch die gemeinsame Wohnung dort. Im Gegensatz zum Dakota ist das Bartholomew allerdings fiktiv, wenn auch extrem gut beschrieben: dämonengleiche Wasserspeier, die ihre Schwingen über dem Central Park ausbreiten, alte Messingaufzüge, opulente Tapeten und eine alteingesessene New Yorker High Society, die sich vor allen anderen Gesellschaftsschichten abschottet – und im Kontrast dazu der Überlebenskampf einer Frau, um die sich keiner kümmert. Das klingt alles richtig echt. 

Überhaupt überzeugt der Thriller mit seiner gut gezeichneten Szenerie und guten Charakteren, auch wenn letztere sehr, sehr plakativ gestrickt sind. Aber schließlich gibt‘s auch in jeder guten Netflix-Serie den Arzt zum Anschmachten, die kauzige Schriftstellerin, das überdrehte Hippiemädchen mit den blauen Haaren oder die besorgte beste Freundin. Schwamm drüber, hat Bock gemacht.

Rating: 3 out of 5.
Das BuchVerschließ jede Tür
Der AutorRiley Sager
Der Verlagdtv Verlagsgesellschaft
TaschenbuchApril 2020, 398 Seiten
Wo du es lesen solltestNachts im Bett
Was du dazu tragen solltestEinen Seidenschlafanzug

Riley Sager ist das Pseudonym eines ehemaligen Journalisten und Grafik-Designers, der nun hauptberuflich Schriftsteller ist und in Princeton, New Jersey lebt. Sein Debüt, der Psychothriller FINAL GIRLS sowie auch LAST TIME I LIED sind inzwischen internationale Bestseller.

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