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Kunst & Besessenheit im viktorianischen London.

The Doll Factory, Elisabeth Macneal

Historischer Roman, Thriller, Liebesgeschichte und ein Hauch von Feminismus: Elizabeth Macneals THE DOLL FACTORY lässt sich keinem Genre so richtig zuordnen und überzeugt doch in allen. Die in London lebende Autorin legt mit ihrem Debütroman einen spannenden Mix vor, der bereits in der ersten Woche nach seinem Erscheinen auf Platz 1 der britischen Bestsellerliste kletterte. In Deutschland wird der Erfolg bestimmt auch nicht lange auf sich warten lassen. Zu gut ist die Kulisse, die Story und die Verquickung von echtem Zeitgeschehen mit fiktiven Schicksalen.

London, 1850.

Die ganze Stadt macht sich bereit für die erste Weltausstellung der Geschichte. Im Hyde Park können Flanierende bereits die Umrisse des imposanten Kristallpalastes bewundern, in dem bald tausende Exponate ausgestellt werden – darunter auch der erste Telegraf und moderne Werke aufstrebender Künstler.

Die Welt von Iris Whittle hingegen ist klein und trist. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Rose schuftet sie in einer Manufaktur für Puppen, deren Gesichter sie mit makellosen Zügen ausstattet. Doch im Verborgenen lebt die junge Frau ihren Traum vom Künstler-Dasein und steht sich selbst Modell, während der harte Überlebenskampf Londons unerbittlich weiter tobt und Narben an Straßenjungen und Huren hinterlässt.

Eine Begegnung ändert alles.

Als Iris zufällig den Maler Louis Frost kennenlernt, eröffnet sich ihr eine neue Welt. Louis ermöglicht der jungen Frau ein selbstbestimmtes Leben, indem er sie fürs Modellstehen bezahlt. Darüber hinaus gibt der Künstler ihr Malunterricht und schafft es in ihr Herz.

Doch in den Londoner Schatten braut sich ein Unheil zusammen, als der Besitzer eines Kuriositätenladens auf Iris aufmerksam wird, die seit ihrer Kindheit ein deformiertes Schlüsselbein hat. Silas ist besessen von derart einzigartigen Kreaturen, und während er Künstlern wie Louis ausgestopfte Kleintiere als Modelle für ihre Stillleben verkauft, verfolgt er heimlich dunkle Pläne für Iris. Als die Weltausstellung kurz vor ihrer Eröffnung steht und London spürbar vom Innovationsgeist ergriffen wird, spitzt sich Iris‘ Schicksal zu.

Fesselnd, opulent, intelligent.

The Doll Factory, Elisabeth Macneal

THE DOLL FACTORY ist übrigens inspiriert von wahren Begebenheiten. Die Figur der Iris mit dem kupferfarbenen Haar ist eine Ode an die Malerin und Dichterin Lizzie Siddal (1829-1862), die zunächst bei einem Hutmacher schuftete und dann von Präraffaeliten wie Louis als Modell entdeckt wurde. Sie war die Ehefrau des Malers Rossetti, der im Roman ein Kollege des (fiktiven) Louis ist. Auch die weiteren Künstlerfreunde, Hunt und Millais, sind reale Figuren, ebenso ihre erwähnten Werke. Dazu kommen Details aus ihrer Zeit, von Tischgesprächen über Kunst bis hin zu kuriosen Haustieren in Künstlerhaushalten.

A remarkable example of historical fiction . . . full of life, colour and intelligence 
(Sunday Times)

Auch das macht den Roman so reich und besonders; ich fand ihn klasse und wünsche mir mehr davon. Denn so sehr ich Geschichten vor viktorianischer Kulisse liebe, so oft sind diese recht einfach gestrickt oder so in Schwülstigkeit getunkt, dass Jane Austen einen Lachkrampf bekäme. Danke für das gute Leseerlebnis und ein Buch, das ich gerne empfehle.

Die Übersetzerin Eva Bonné ist für ihre Arbeit übrigens mehrfach ausgezeichnet worden und hat auch eines meiner Lieblingsbücher übersetzt: WEST von Carys Davies. 

Titel: The Doll Factory
Autorin: Elizabeth Macneal
Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Eichborn
Auflage: 1. (27. März 2020)

Transparenz: Meine Ausgabe ist ein Rezensionsexemplar.
Lieben Dank an den Verlag für die freundliche Bereitstellung.

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