Alle Artikel mit dem Schlagwort: Sachbuch

How to fail, Elisabeth Day

Verlieren ist das neue Gewinnen.

Elisabeth Day, mehrfach ausgezeichnete Journalistin, Bestsellerautorin und Host des bekannten Podcasts „How To Fail With Elisabeth Day“, ist überzeugt davon, dass alle entscheidenden Momente ihres Lebens aus einer Krise entstanden sind. Ein sehr ehrliches Buch über das Scheitern und darüber, warum wir auch mal unsere Niederlagen feiern sollten.

Die Bullet Journal Methode, Ryder Carrol

Nicht ohne mein Bullet Journal: Wie ich gelernt habe, mich besser zu organisieren.

Mein Leben wurde bis vor kurzem dürftig zusammengehalten von Zetteln und To Do-Listen. #mentalload nennt man das, wenn du dir am liebsten ein Wegen-Überfüllung-geschlossen-Schild vors Hirn hängen würdest. Bei mir kam noch dazu, dass ich nicht gerade ordentlich bin, also hatte ich am Ende einen digitalen Familienkalender, über 70 digitale Notizen im Handy, eine Kladde für die Zettel der Kinder, weitere lose Zettel (im ganzen Haus verteilt) und mindestens drei oder vier Notizbücher (in meinen Handtaschen, also für immer verloren). Trotzdem war ich ständig in Sorge, irgend etwas zu vergessen. Auch die Sucherei nach Notizen wurde immer aufwändiger. Hatte ich mir dies oder das überhaupt notiert? Und wenn ja, wo? Letztes Jahr sah ich dann das Bullet Journal meiner Schwester. Und tat, was ich immer tat: Ich bestellte ein Buch. Deine externe Festplatte fürs Hirn. Die Bullet Journal Methode von Ryder Carroll ist eine einfache Methode, einen handschriftlichen Kalender zu führen, der gleichzeitig ein Allround-Notizbuch, ein Ziele- oder Projektplaner, dein Tagebuch oder eben das sein kann, was du daraus machst. Hört sich nach Aufwand an, …

Das Geschichtsbuch

Schöner schlau werden.

Nur, damit wir das gleich am Anfang geklärt haben: Ich bin echt ziemlich doof. Ich meine jetzt nicht doof im Sinne von unsympathisch, sondern dieses armselige, peinliche Schuldoof. Mathe? Passables Grundschulniveau. Geographie? Ganz bitter. Geschichte? Kein Kommentar. Deshalb bin ich auch vor Freude förmlich hochgehüpft, als ich DAS GESCHICHTSBUCH aus dem Dorling Kindersley Verlag entdeckt habe: Endlich mal einer, der sich auf mein Niveau herunter bequemt und ein kurzweiliges Buch anbietet, bei dem man keine Knoten im Gehirn bekommt. Große Ereignisse, einfach erklärt. Das Buch macht genau das, was draufsteht und zwar ziemlich perfekt: Komplizierte Zusammenhänge werden endlich so dargestellt, dass man sie häppchenweise und ohne Vorkenntnisse inhalieren kann. Also kann man einfach mal in der Kaffeepause in die Französische Revolution reingucken oder nachlesen, was Cäsar so zu Fall gebracht hat. Toll finde ich, dass dabei die treibenden Ideen und Persönlichkeiten im Vordergrund stehen, nicht Jahreszahlen oder schnöde Details: Geschichtliche Strömungen werden anschaulich in einen Zusammenhang gesetzt, so dass man Weltbewegendes mit einem Blick versteht. Auch das Design: 1 plus mit Sternchen. Der kurzweilige Inhalt …

Why Do Architects Wear Black?, Cordula Rau

Schwarz geht immer.

Ich mag Leute, die Schwarz tragen. Batman, meine große Schwester und meine Kreativdirektoren-Freundin Katja zum Beispiel. Zugegeben, Batman würde in Hellblau auch einfach albern aussehen. Nun verhält es sich bei Superhelden ohnehin so, dass jeder seinen eigenen Farbcode hat. Flash würde nicht in Dunkelblau rausgehen und Hulk wohl kaum in Gelb. Architekten haben aber anscheinend alle den gleichen Hang, nämlich zu Schwarz. Oft kombiniert mit Schwarz. Und zu besonderen Anlässen mal was Schwarzes. Cordula Rau, selbst Architektin und daher auch nicht gerade in Rot unterwegs, wusste auf die Frage eines Managers, warum Architekten kleidertechnisch so monochrom bleiben, keine spontane Antwort. Daher sammelte sie seit 2001 handgeschriebene Notizen ihrer Kollegen und weiterer Kreativer, denen sie immer die gleiche Frage stellte: Why do Architects Wear Black? Aus den gesammelten Notizen ist ein extrem kurzweiliges Büchlein entstanden, das immer wieder überraschende Antworten bereithält. Dazu kommt, dass das selbstverständlich schwarze Büchlein auch innen sehr schön anzusehen ist: Ein kreatives, ästhetisches Sammelsurium toller Handschriften und Statements aller Art. Geschwungen, gediegen, getragen, ausladend, lässig und auch nicht selten einfach mal durchgestrichen …

Sophie Mas et al., How to be Parisian

Adieu Selbstzweifel. Salut Leichtigkeit!

Ich liebe dieses Buch. Ich möchte dieses Buch küssen und abends mit ins Bett nehmen, obwohl ich es schon zweimal gelesen habe. Weil es so schön durchgeknallt ist, sich nicht allzu ernst nimmt und sich irgendwo zwischen totaler Arroganz und offener Rebellion bewegt – eben genau so, wie die Pariserin selbst, die darin beschrieben wird. In How to be Parisian, wherever you are zeichnen Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest ein Frauenbild, bei dem man nicht weiß, ob man vor ihm niederknien oder lieber schnell aus dem Weg springen möchte. Interessant, eigenwillig, fast zwanghaft stilvoll und nicht gerade kompromissbereit. Wozu auch? Kompromisse sind ja auch ungefähr so französisch wie zu viele Accessoires oder Reue nach dem Fremdgehen. Die Pariserin beschäftigt sich eben lieber mit den wichtigen Dingen und neigt ohnehin dazu, “die Welt mittels Blogs und Büchern mit ihren Lebensweisheiten zu überschwemmen“. So kommen konsequenterweise auch im Buch die Lebensweisheiten zuallererst, als praktische Liste „zum Vorsagen vor dem allabendlichen Schlafengehen, selbst wenn man betrunken ist.“ „Hab keine Angst vorm Altwerden. Hab …

Perlen statt Plunder, Andrea Bruchwitz

Weniger ist Wow. Vom ästhetischen Minimalismus.

Ich habe einiges von meiner Mutter geerbt. Die Haarfarbe zum Beispiel, ihre Lebensfreude, ihre Hartnäckigkeit – und auch das schlechte Gewissen, nachdem man sich etwas Schönes nur für sich selbst gekauft hat. Nun ist meine Mutter in den Fünfzigerjahren aufgewachsen, war früh auf sich allein gestellt und weiß, wie es ist, wenn man wenig hat. Ihre (und meine) Lieblingsgeschichte ist die, dass sie den ganzen Monat quasi von einem Glas Milch und einem Brötchen am Tag gelebt hat, um sich am Ende des Monats eine Schallplatte zu kaufen. Meine Mutter war schlank, ja. Und sie konnte großartig Twist tanzen. Heute würde man das vermutlich Minimalismus nennen. Das wertschätzende Bestreben, sich alleine mit dem zu umgeben, was wirklich wichtig ist und dafür vieles andere aufzugeben. Perlen statt Plunder von Andrea Buchwitz beschreibt in diesem Sinne den „Ästhetischen Minimalismus“ als perfekte Lebensform, um durch das moderne, viel zu vollgepackte Leben zu kommen. Ganz gleich, ob man dazu nur die Wohnung, den Kopf oder auch gleich den ganzen Bekanntenkreis entrümpeln sollte. „Sie haben nur ein begrenztes Kapazitätengeflecht aus …

Das Café am Rande der Welt, John Strelecky

Vom Rumkurven und Finden.

„Lies das Buch“, sagt eine Freundin zu mir, während wir auf der Terrasse in der Sonne sitzen und darüber reden, dass wir beide vor Kurzem unsere völlig unterschiedlichen Jobs geschmissen haben, um wieder glücklich zu sein. „Klar“, sage ich, und kurz darauf halte ich ein dünnes Büchlein in den Händen, das so gar nicht danach aussieht, als könne es mir den Sinn des Lebens erklären, geschweige denn dafür sorgen, dass sich mein aktueller Gefühlsstatus von „weniger unglücklich“ in „glücklich“ ändert. Aber hey, es ist ein Buch. Und Bücher können Leben verändern. Also lese ich es. So ungefähr fünf Monate nach dem Tag auf der Terrasse. Die Handlung ist fiktiv, die Analogie fast schmerzhaft simpel: DAS CAFÉ AM RANDE DER WELT von John Strelecky ist der Klassiker für alle, die unterwegs sind, aber ihr Ziel längst aus den Augen verloren (und das ganze Umherirren auch langsam irgendwie satt) haben. Und so beginnt die Geschichte auch erst einmal damit, dass der Erzähler, ein krass gestresster Manager, sich in der Pampa verfährt und letztendlich in einem kleinen Café …