Alle Artikel mit dem Schlagwort: Psychothriller

Blood Orange, Harriet Tyce

Faszination des Fiesen.

Ich stehe in einem Pub irgendwo in London, und neben mir säuft sich eine Businessfrau gerade ihre Würde weg. Ihr Lidstrich ist verschmiert, ihr Rock unanständig hochgerutscht und ihre Sinne sind so vollkommen benebelt, dass sie wahrscheinlich gleich Sex auf dem Klo haben wird. Stop, nein, ich sitze zu Hause am Esstisch und schreibe beim Kaffee diesen Text. Aber so ungefähr fühlt es sich an, BLOOD ORANGE von Harriet Tyce zu lesen. Die oben erwähnte Frau könnte die Anwältin Alison Price sein, die im Roman gerade ihren ersten Mordfall bearbeitet. Wie immer stürzt sie sich in ihren Job und lässt dabei ein paar persönliche Angelegenheiten grob fahrlässig aus dem Ruder laufen. Beispielsweise ihre Rolle als Ehefrau und Mutter, die sie fortwährend mit Alkohol, impulsiven Exzessen und einem Verhältnis mit ihrem kaltherzigen Arbeitskollegen sabotiert. Ihr dabei zuzusehen, tut ein bisschen weh. Aber es ist auch zu spannend, um den Krimi wegzulegen. Sauber gestrickte Demontage. Da die Autorin selbst rund zehn Jahre Prozessanwältin war, bringt der Mordfall die nötige Vielschichtigkeit mit, um spannend zu bleiben: Mandantin Madeleine …

Dein Ende, Chris Brookmyre

Ende gut, alle tot.

Es gibt Thriller, die liest man mal so nebenher. Und dann gibt es Thriller, die jagen einem noch Jahre später diesen guten, einmaligen Schauer über den Rücken. In die zweite Kategorie fallen für mich Friedhof der Kuscheltiere oder Christine von Stephen King. Ich brauche die Bücher nur in die Hand zu nehmen und verspüre diesen leichten Sog, den nur ein Stephen King auslösen kann. Dein Ende von Chris Brookmyre allerdings gehört für mich klar in Kategorie eins. Ich hab’s gelesen, und es hat mich zeitweise gepackt. Aber ich werde mich nicht jahrelang dran erinnern. Dabei legt der gefeierte Psychokrimi aus Schottland eigentlich eine intelligente Geschichte vor, die mir allerdings an einigen Stellen zu stereotyp und konstruiert daherkommt. Zur Story: Die äußerlich eiskalte Chirurgin Diana Jager rechnet ihn ihrem erfolgreichen Medizinblog mit ihren männlichen Kollegen und anderen sich selbst überschätzenden Subjekten ihrer Branche ab. Bis sie sich mit den falschen Leuten anlegt. Jahre später lernt sie Peter Elphinstone kennen und taut zum ersten Mal wieder auf. Doch als bald nach ihrer Blitzhochzeit das Auto des lebenslustigen …