Alle Artikel mit dem Schlagwort: Lifestyle

Older, but better, but older, Sophie Mas, Caroline de Maigret

Nett, aber nicht better: Ewachsenwerden à la Parisian.

Heute ist mein 49. Geburtstag, und wenn ich mir noch eine Sache wünschen würde, dann wäre das eine Zigarette. Nicht, dass ich sie mir nicht leisten könnte, aber wenn man mit den Jahren etwas verliert, dann ist es dieses magische Gefühl der Unsterblichkeit. Und daher vermisse ich sie, die Zigarette. Mon dieu, habe ich gerne geraucht, pardon, aber das war toll, und ich sah gut dabei aus. C’est la vie ab 40.   Auch die Autorinnen von OLDER BUT BETTER BUT OLDER haben offensichtlich das Rauchen aufgegeben. Überhaupt sind aus den herrlich impulsiven, nichtperfekten Frauen meines geliebten HOW TO BE PARISIAN, WHEREVER YOU ARE zwar gesündere, aber auch blassere Zweiflerinnen geworden. Selbstverständlich sind wir uns in vielen Dingen einig; ab 45 verdient man gegenseitigen Respekt. Ich bin zum Beispiel auch nicht mehr gerne ultralang auf Partys. Aber ein Haufen sympathischer Endvierziger, der sich gegen halb eins die Strickjacken vom Leib reißt, ist auch einfach nicht mehr das Gleiche. Früher waren da Körperlichkeit, Rauch und Gefahr. Heute gibt es Weißweinschorle, Sicherheit und nette Gespräche. Diese Entwicklung …

Lagerfeld your Life, Anna Basener

Die Leichtigkeit des Karlseins.

Nein, ich habe nicht Rotz und Wasser geheult, als Karl Lagerfeld im Februar 2019 gestorben ist. Ich bin mehr der Oh-Schreck-Freddy-Mercury-ist-tot-Typ. Nichtsdestotrotz hat die Welt mit Karl jemanden verloren, der die Kunst beherrschte, kreativ, impulsiv und ein Vorbild zugleich zu sein. Warhol war nie so klar im Kopf. Kinski konnte sich nicht benehmen. Hemingway hatte ständig einen Kater. Aber Lagerfeld hatte sich im Griff und war trotzdem herrlich inkonsequent. Davon abgesehen muss ich bei ihm immer an meine Freundin Katja denken, die zu Karneval mal als Lagerfeld gegangen ist, während ihr Freund Lutz Choupette war. Danach kommt nicht mehr viel, so rein style- und humortechnisch, wenn ihr mich fragt. Als ich gelesen habe, dass Anna Basener ein Buch über Lagerfeld schreibt, war es mir daher ziemlich egal, dass Karl nicht Freddy und mein Buchblog kein Styleblog ist*. Denn Frau Basener hat eine ähnliche Gabe wie Herr Lagerfeld: Sie haut Sätze raus, die ich mir am liebsten sofort auf ein Kissen sticken würde. Gute Kombination also, eine modeverliebte Schreiberin und ein Modezar, neben dem selbst Vertreter …

Blogroll

Blogs, die glücklich machen. So abonnierst du sie.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich angefangen habe Blogs zu lesen. Hört sich komisch an, aber da draußen gibt es so viele davon, dass ich erst mal wie im Modekaufhaus durch die Gegend geirrt bin, bis irgendwas wirklich gepasst hat. Jetzt habe ich ein paar Lieblingsblogs, die mehr oder weniger fest zu meinem Alltag gehören. Meistens lese ich sie, wenn ich irgendwo rumstehe und warte (kurioserweise oft), wenn andere Menschen Zeitung lesen oder ich einfach nur vergessen habe, ein Buch einzustecken (weniger oft). Unterm Strich komme ich so auf mehrere Artikel die Woche. Klar lese ich auch Buchblogs. Und natürlich kommen immer mal wieder neue Blogs hinzu. Zwischen den Zeilen findest du meine Favoriten: Draußen nur Kännchen  This is Jane Wayne Büchermonster Grundsätzlich lese ich Blogs auf dem Handy. Aktuell nutze ich dazu den Feed Reader Feedly. Feed Reader sind quasi sowas wie Follow-Buttons für Blogs und bieten dir den Vorteil, dass du alle aktuellen Artikel deiner Lieblingsblogs quasi als Newsfeed ausgespielt bekommst. Feedly bietet einen kleinen Button an, den man oben in der …

Why Do Architects Wear Black?, Cordula Rau

Schwarz geht immer.

Ich mag Leute, die Schwarz tragen. Batman, meine große Schwester und meine Kreativdirektoren-Freundin Katja zum Beispiel. Zugegeben, Batman würde in Hellblau auch einfach albern aussehen. Nun verhält es sich bei Superhelden ohnehin so, dass jeder seinen eigenen Farbcode hat. Flash würde nicht in Dunkelblau rausgehen und Hulk wohl kaum in Gelb. Architekten haben aber anscheinend alle den gleichen Hang, nämlich zu Schwarz. Oft kombiniert mit Schwarz. Und zu besonderen Anlässen mal was Schwarzes. Cordula Rau, selbst Architektin und daher auch nicht gerade in Rot unterwegs, wusste auf die Frage eines Managers, warum Architekten kleidertechnisch so monochrom bleiben, keine spontane Antwort. Daher sammelte sie seit 2001 handgeschriebene Notizen ihrer Kollegen und weiterer Kreativer, denen sie immer die gleiche Frage stellte: Why do Architects Wear Black? Aus den gesammelten Notizen ist ein extrem kurzweiliges Büchlein entstanden, das immer wieder überraschende Antworten bereithält. Dazu kommt, dass das selbstverständlich schwarze Büchlein auch innen sehr schön anzusehen ist: Ein kreatives, ästhetisches Sammelsurium toller Handschriften und Statements aller Art. Geschwungen, gediegen, getragen, ausladend, lässig und auch nicht selten einfach mal durchgestrichen …

Sophie Mas et al., How to be Parisian

Adieu Selbstzweifel. Salut Leichtigkeit!

Ich liebe dieses Buch. Ich möchte dieses Buch küssen und abends mit ins Bett nehmen, obwohl ich es schon zweimal gelesen habe. Weil es so schön durchgeknallt ist, sich nicht allzu ernst nimmt und sich irgendwo zwischen totaler Arroganz und offener Rebellion bewegt – eben genau so, wie die Pariserin selbst, die darin beschrieben wird. In How to be Parisian, wherever you are zeichnen Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest ein Frauenbild, bei dem man nicht weiß, ob man vor ihm niederknien oder lieber schnell aus dem Weg springen möchte. Interessant, eigenwillig, fast zwanghaft stilvoll und nicht gerade kompromissbereit. Wozu auch? Kompromisse sind ja auch ungefähr so französisch wie zu viele Accessoires oder Reue nach dem Fremdgehen. Die Pariserin beschäftigt sich eben lieber mit den wichtigen Dingen und neigt ohnehin dazu, “die Welt mittels Blogs und Büchern mit ihren Lebensweisheiten zu überschwemmen“. So kommen konsequenterweise auch im Buch die Lebensweisheiten zuallererst, als praktische Liste „zum Vorsagen vor dem allabendlichen Schlafengehen, selbst wenn man betrunken ist.“ „Hab keine Angst vorm Altwerden. Hab …

Perlen statt Plunder, Andrea Bruchwitz

Weniger ist Wow. Vom ästhetischen Minimalismus.

Ich habe einiges von meiner Mutter geerbt. Die Haarfarbe zum Beispiel, ihre Lebensfreude, ihre Hartnäckigkeit – und auch das schlechte Gewissen, nachdem man sich etwas Schönes nur für sich selbst gekauft hat. Nun ist meine Mutter in den Fünfzigerjahren aufgewachsen, war früh auf sich allein gestellt und weiß, wie es ist, wenn man wenig hat. Ihre (und meine) Lieblingsgeschichte ist die, dass sie den ganzen Monat quasi von einem Glas Milch und einem Brötchen am Tag gelebt hat, um sich am Ende des Monats eine Schallplatte zu kaufen. Meine Mutter war schlank, ja. Und sie konnte großartig Twist tanzen. Heute würde man das vermutlich Minimalismus nennen. Das wertschätzende Bestreben, sich alleine mit dem zu umgeben, was wirklich wichtig ist und dafür vieles andere aufzugeben. Perlen statt Plunder von Andrea Buchwitz beschreibt in diesem Sinne den „Ästhetischen Minimalismus“ als perfekte Lebensform, um durch das moderne, viel zu vollgepackte Leben zu kommen. Ganz gleich, ob man dazu nur die Wohnung, den Kopf oder auch gleich den ganzen Bekanntenkreis entrümpeln sollte. „Sie haben nur ein begrenztes Kapazitätengeflecht aus …

Hallo Klarheit, Kalender

Deine tägliche Portion Lebenshilfe.

Streng genommen ist der Kalender „Hallo Klarheit“ kein Buch. Streng genommen ist das aber auch mein Blog, und deshalb kann ich hier machen, was ich will. Daher heute mal ein Beitrag über einen Kalender. Angefangen hat alles damit, dass ich das Ding ständig als Shopping-Tipp bei Facebook vorgeschlagen bekommen habe. Dazu kam meine ausgeprägte Schwäche für alles, in das man sich Notizen machen kann. Geendet hat es damit, dass ich nun keinen Facebook-Account mehr habe. Denn durch meinen neuen Begleiter habe ich zumindest schon mal gelernt Prioritäten zu setzen – und meine Zeit nicht mehr mit Facebook zu verschwenden. „Mit Klarheit schaffst du Klarheit.“ So steht es im Kalender, der sich aber eigentlich als Selbstführungstool bezeichnet, weil er „Coach und Kalender in einem“ ist. Wie er das macht? Er stellt die richtigen Fragen. Er macht das Positive in deinem Leben sichtbar – und das, was weg kann. Er hilft, den Überblick zu behalten und zu fokussieren. Außerdem sieht er super aus. Klar im Kopf statt durch Ablenkungen vernebelt. Ok, ich brauche vielleicht noch eine Weile, …