Alle Artikel mit dem Schlagwort: Liebesroman

Noch alle Zeit, Alexander Häusser

Von Deichen und Fjorden und Träumen und Freiheit.

Können andere einen darum bringen, das eigene Leben zu leben? Können sie Träume aufhalten wie der Mond die Gezeiten aufhalten könnte? Oder ist man schlicht immer selbst schuld, wenn man sein Glück nicht gleich mit beiden Händen packt und dafür alles andere, alle anderen loslässt? NOCH ALLE ZEIT von Alexander Häusser erzählt anhand zweier Menschen, die sich rein zufällig begegnen, wie befreiend, steinig, traurig oder berührend es sein kann, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und so auch seine eigenen Konsequenzen zu erschaffen – und dass es allemal besser ist, mit diesen zu leben, als überhaupt nicht zu leben.  „Sie war krank. Eine Krankheit, für die es keinen Namen gab. Er nannte sie die Automatenkrankheit. Manchmal sprang sie an und funktionierte, als hätte man eine Münze eingeworfen. Und im Büro hatten sie wohl Kleingeld.“ Einer dieser Menschen ist Edvard, der nach dem Tod seiner Mutter vor vielen Fragen steht. Er hat sie nicht losgelassen, als der Vater damals wegging und starb. Als später das Glück vorbeikommt, hat Edvard schon alle Hände voll zu …

Nachttiger, Yangsze Choo

Juwel in Buchform.

Wer mich näher kennt, der weiß, dass „zu Tränen gerührt“ nicht gerade zu meinen Top-Drei-Allgemeinzuständen gehört. Trotzdem habe ich mir eben tief beeindruckt diesen bildschönen Fünfhundertseiten-Schinken ans Herz gedrückt. Wow, wie toll war das denn bitteschön. NACHTTIGER ist das zweite Buch der Malaysierin Yangsze Choo und das erste, das von ihr auf Deutsch verlegt wurde. Streckenweise liest es sich fast wie ein poetischer Thriller. Oder ein exotisches Märchen. Oder auch mal der reinste Liebesroman. Dieser ungewöhnliche Mix ist es auch, der mich total geflasht und betört hat. Abgesehen davon lese ich gerne Geschichten über ein Stück Geschichte, und wenn sie recht subtil daherkommt.   Britisch-Malaya in den Dreißigerjahren: Der chinesische Houseboy Ren setzt alles daran, um den amputierten Finger seines verstorbenen britischen Herrn zu finden. Denn eine Seele kann nur dann Ruhe finden, wenn alle Körperteile im Tode vereint sind. Genau neunundvierzig Tage hat der elfjährige Ren Zeit, um seine Mission zu erfüllen – so lange, wie Seelen sich noch auf Wanderschaft befinden. Glücklicherweise ergattert der Junge eine neue Arbeitsstelle bei Dr. William Acton, welcher …

Schund und Sühne, Anna Basener

Kitsch reloaded.

Letztens habe ich ein Interview mit Anna Baseler gelesen, die über zehn Jahre lang Groschenroman-Autorin war, bevor sie ihren ersten Roman verfasste. Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin noch nie darüber nachgedacht, dass diese ganzen Heftchen nicht einfach so vom siebten Himmel fallen. Besagte Autorin war jedenfalls top im schwülstigen Schreiben, und unter dem Pseudonym Catharina Chrysander wurde sie die „erfolgreichste deutsche Groschenroman-Autorin“ (DIE ZEIT). Irgendwann hatte Frau Baseler sie dann alle mal gehabt, die Happy Ends. Fortan schrieb sie Romane: 2017 erschien ihr ausgezeichnetes Debüt ALS DIE OMA DEN HUREN NOCH TAUBENSUPPE KOCHTE, das im Schauspiel Dortmund auf der Bühne aufgeführt und aktuell fürs Kino verfilmt wird. Im Januar 2019 folgte SCHUND UND SÜHNE. Und da ich eine glühende Verfechterin des einfachen Wortspiels bin, ging mir das Buch einfach nicht mehr aus dem Kopf. Die Story ist simpel und kurzweilig: Eine Berliner Groschenroman-Autorin gelangt durch ein etwas nachlässig vergebenes Literaturstipendium auf ein Schloss in Niedersachsen. Selbstverständlich verliebt sie sich dort schon bald in den Prinzen – nur der steht auf Männer. Ende der Kitschgeschichte? …

Gabrielle Zevin, Das Verhältnis

Eine unendliche Affäre.

Ein intelligenter und teils geradezu witziger Roman über falsche Entscheidungen, Doppelmoral und die Unerbittlichkeit moderner Medien: In Gabrielle Zevins Roman „Das Verhältnis“, beginnt die Praktikantin Aviva ein Verhältnis mit einem signifikant älteren, charismatischen Kongressabgeordneten und wird über Nacht „Floridas Antwort auf Monica Lewinsky.“

Serotonin, Michel Houellebecq

Leider geil!

Ich glaube Hemingway soll mal gesagt haben, dass er die Welt nicht in gute und schlechte Menschen unterteile, sondern in interessante und uninteressante. Houellebecq ist zweifelsohne einer von den interessanten. Im Zusammenhang mit seinem Roman Serotonin wird er sowohl als moderner Prophet gefeiert, als auch als totaler Prolet beschimpft. Ich gehöre zu den Feiernden, denn der Roman fängt derart prägnant den Zustand der ganzen Welt in einem einzigen Menschen ein, dass man sich noch Wochen später fragt, was man da eigentlich Geiles gelesen hat. Die Geschichte ist die des 46-jährigen Florent-Claude Labrouste, der sich entscheidet, seinem Leben ein Ende zu setzen, weil alle Gelegenheiten, dasselbe noch einmal herumzureißen, längst verstrichen sind. Ein Arzt, den ich hier mal locker als unkonventionell bezeichnen würde, verschreibt ihm das Antidepressivum Captorix, das zwar jegliches Sexleben komplett ausschaltet, aber dafür sorgt, dass der Patient zumindest am Leben bleibt. Leider liefert die Droge das „Wofür eigentlich?“ nicht auf dem Beipackzettel mit. „… und da war ich nun, ein abendländischer Mann in mittleren Jahren, der finanziell für einige Jahre vorgesorgt hatte, ohne …

Kevin Kwan, Crazy Rich Asians

Soap der Superreichen.

Aschenputtel mal auf Asiatisch: Die studierte Wirtschaftsexpertin Rachel Chu und der Geschichtsdozent Nicholas Young führen seit zwei Jahren ein glückliches Leben in New York, als Nick vorschlägt, gemeinsam zur Hochzeit seines besten Freundes nach Singapur zu reisen und Rachel bei dieser Gelegenheit auch gleich seiner Familie vorzustellen.

I Owe You One, Sophie Kinsella

Sophies superheile Welt.

Jeder von uns hat Autoren, von denen man so gut wie alles liest und sich freut, wenn wieder neuer Stoff rauskommt. Das ist dann ein bisschen so wie nach mehreren missglückten Folgen eine richtig gute Netflix-Serie finden: vielleicht nichts, was dein Leben verändert. Aber es schenkt dir immerhin das gute Gefühl abendlicher Totalzufriedenheit.  Mir geht das so bei Sophie Kinsella. Am bekanntesten sind sicher ihre Shopaholic Romane, in denen die chronisch klamme Rebecca Bloomwood durch ihr teils haarsträubend lustiges Leben zwischen Stilikone und Schlussverkauf strauchelt. Nun war ich nie ein riesengroßer Shopaholic-Fan, sondern mag andere ihrer Romane lieber. Daher bin ich auch erst mal aufgeregt hochgehüpft, als I Owe You One rausgekommen ist. Zur Handlung: Fixie führt den Haushaltsladen ihrer Familie in London, als sie eines Tages dem gestressten Jungunternehmer Sebastian in einem Café aus der Patsche hilft. Dieser schuldet ihr ab jetzt einen Gefallen und bittet sie eindringlich, diesen auch einzufordern. Was sie etwas später prompt tut, als Fixies große Jugendliebe Ryan dringend einen Job braucht. Leider ist Ryan so ziemlich die größte Luftpumpe …

Sowas kann auch nur mir passieren, Mhairi Mc Farlane

Kann passieren, muss aber nicht.

Das Wichtigste zuerst: Ich mag vorhersehbare Geschichten. Und ich mag Menschen, die sich am Ende kriegen. Ich mag sogar flache Geschichten, völlig egal ob deren Heldin gerade in High Heels durch NYC stöckelt, zur Regency-Zeit Walzer tanzt, in einer Steampunkt-Story ums Überleben kämpft oder auf den ersten Seiten eines Vampirromans abkratzt. Deshalb ist „Sowas kann auch nur mir passieren“ von Mhairi McFarlane eigentlich genau meine Baustelle.  Auf den ersten Seiten macht es auch echt Spaß, der Hauptfigur, die den nervigen Namen Georgina trägt, förmlich dabei zuzusehen, wie sie durch die kleinen und größeren Katastrophen ihres aktuellen Lebens stolpert.  Erst verliert sie ihren ohnehin schon unterirdischen Job als Kellnerin des schlechtesten Italieners weit und breit. Dann erwischt sie ihren Freund mit einer anderen im Bett, und dann stolpert sie über ihren Jugendschwarm, der sie offensichtlich total vergessen hat. Klar, dass sie das so auf keinen Fall stehen lassen kann. Während die Dinge ihren Lauf nehmen und die Hauptfiguren sich wieder näherkommen, lernt man dann die eine oder andere Nebenfigur kennen, mit der man am liebsten hundert Jahre betrunken …