Alle Artikel mit dem Schlagwort: Buchblog

Ein_Jahr_Buchblog

Ein Jahr Buchblog. Eine Liebeserklärung.

Ich lehne mich zurück und denke nach. Vor genau einem Jahr habe ich den ersten Artikel auf Ninas Buchblog veröffentlicht, und wenn ich hier & heute beim ersten Kaffee Bilanz ziehe, dann wird mir eines klar: Der Blog hat mein Leben gerettet. Mein kreatives Leben, das früher zum Großteil aus Schreiben und Lachen und Stolzsein bestand und dann auf einmal gar nicht mehr.  Das Lesen und das Schreiben waren für mich von Anfang an zwei riesengroße Entdeckungen. Schon in der Grundschule habe ich mich gefühlt wie die absolute Superheldin, weil das, was da stand, auf einmal Sinn ergab. „Nein, Nina, nein“ waren die ersten Worte aus meinem Deutschbuch, die ich alleine lesen konnte. Die Nina aus dem Buch sollte nicht alleine über die Straße gehen. Die Nina mit der Nase im Buch war fasziniert. Das Lesen hat mich seitdem durch mein ganzes Leben begleitet. Es gab keinen Abend, keinen Morgen, keine Wartezeit, keinen Krankenhausaufenthalt, keinen Strandurlaub, keinen Sonntag, an dem ich nicht stundenlang gelesen habe. Lesen ist gute Isolation. Es blendet alle Probleme aus, und …

Nachttiger, Yangsze Choo

Juwel in Buchform.

Wer mich näher kennt, der weiß, dass „zu Tränen gerührt“ nicht gerade zu meinen Top-Drei-Allgemeinzuständen gehört. Trotzdem habe ich mir eben tief beeindruckt diesen bildschönen Fünfhundertseiten-Schinken ans Herz gedrückt. Wow, wie toll war das denn bitteschön. NACHTTIGER ist das zweite Buch der Malaysierin Yangsze Choo und das erste, das von ihr auf Deutsch verlegt wurde. Streckenweise liest es sich fast wie ein poetischer Thriller. Oder ein exotisches Märchen. Oder auch mal der reinste Liebesroman. Dieser ungewöhnliche Mix ist es auch, der mich total geflasht und betört hat. Abgesehen davon lese ich gerne Geschichten über ein Stück Geschichte, und wenn sie recht subtil daherkommt.   Britisch-Malaya in den Dreißigerjahren: Der chinesische Houseboy Ren setzt alles daran, um den amputierten Finger seines verstorbenen britischen Herrn zu finden. Denn eine Seele kann nur dann Ruhe finden, wenn alle Körperteile im Tode vereint sind. Genau neunundvierzig Tage hat der elfjährige Ren Zeit, um seine Mission zu erfüllen – so lange, wie Seelen sich noch auf Wanderschaft befinden. Glücklicherweise ergattert der Junge eine neue Arbeitsstelle bei Dr. William Acton, welcher …

Blood Orange, Harriet Tyce

Faszination des Fiesen.

Ich stehe in einem Pub irgendwo in London, und neben mir säuft sich eine Businessfrau gerade ihre Würde weg. Ihr Lidstrich ist verschmiert, ihr Rock unanständig hochgerutscht und ihre Sinne sind so vollkommen benebelt, dass sie wahrscheinlich gleich Sex auf dem Klo haben wird. Stop, nein, ich sitze zu Hause am Esstisch und schreibe beim Kaffee diesen Text. Aber so ungefähr fühlt es sich an, BLOOD ORANGE von Harriet Tyce zu lesen. Die oben erwähnte Frau könnte die Anwältin Alison Price sein, die im Roman gerade ihren ersten Mordfall bearbeitet. Wie immer stürzt sie sich in ihren Job und lässt dabei ein paar persönliche Angelegenheiten grob fahrlässig aus dem Ruder laufen. Beispielsweise ihre Rolle als Ehefrau und Mutter, die sie fortwährend mit Alkohol, impulsiven Exzessen und einem Verhältnis mit ihrem kaltherzigen Arbeitskollegen sabotiert. Ihr dabei zuzusehen, tut ein bisschen weh. Aber es ist auch zu spannend, um den Krimi wegzulegen. Sauber gestrickte Demontage. Da die Autorin selbst rund zehn Jahre Prozessanwältin war, bringt der Mordfall die nötige Vielschichtigkeit mit, um spannend zu bleiben: Mandantin Madeleine …

Letzte Rettung: Paris, Patrick deWitt

C’est la fucking vie.

Letztens war ich in New York, nur um dort festzustellen, dass ich eher der Paris-Typ bin. Mehr Charme. Weniger Banalitäten. Bessere Croissants. Im Roman Letzte Rettung: Paris von Patrick deWitt sind es zwei New Yorker, die nicht ganz freiwillig in die Stadt der Liebe aufbrechen, aber dort so wunderbar hinpassen wie die Mona Lisa ins Louvre: Frances und Malcom Price sind das wohl unterhaltsamste, verzogenste Mutter-Sohn-Duo in New York. Frances, Freigeist in Haute Couture und bissige Konversationspartnerin seit Kindertagen, führt ein Leben im totalen Luxus. Ihre legendäre Schönheit und ein paar Skandale haben sie zu der Art von Stil-Ikone gemacht, die auf keiner wirklich exklusiven Party fehlen darf. Der letzte Skandal war wohl der, ihren unanständig reichen Ehemann nach Tod durch Herzversagen im ehelichen Bett erkalten zu lassen und einfach in ein Luxus-Skiwochenende aufzubrechen. Frances‘ erwachsener Sohn Malcom, ein verschrobener Internatsschnösel ohne Antrieb, leistet seiner Mutter seitdem Gesellschaft – und natürlich der Kater Kleiner Frank, der laut Frances die Reinkarnation ihres toten Ehemannes ist. Leider muss sich das Duo, das das Leben bislang als ewige …

Insta

Instagram. Von Liebe und Zeit.

Seit ich den Blog hab, lese ich seltener Bücher. Zugegeben, eine ganze Menge meiner Zeit geht für Instagram drauf, und manchmal ärgere ich mich darüber. Nicht zuletzt, weil Insta mir vor Augen führt, was ich alles nicht kann. Fotos machen zum Beispiel. Ehrlich gesagt bewegen sich meine Skills im Fotografieren ungefähr auf dem Level meiner Kochkünste: Mit viel Konzentration krieg ich eine anständige Bolognese hin. Fotos für Instagram zu machen ist demnach für mich, als würde ich permanent Menschen zu mir nach Hause zum Essen einladen und sie bitten, Likes zu hinterlassen. Alle sind voll nett, und man wird nie erfahren, warum einige nie wiederkommen. Oh Gott, die haben sich bestimmt den ganzen Abend gelangweilt, und außerdem hatten die gestern schon Italienisch. Und schon sitzt man geknickt in der Sofaecke rum und stellt die komplette Zeit, die man davor in der Küche gestanden hat, ordentlich in Frage.  Klar geht es bei einem Buchblog in erster Linie um Inhalte, aber ich freu mich ja selbst, wenn mein Feed schön aussieht und was hermacht. Zwischendurch, aus purem …

Kevin Kwan, Crazy Rich Asians

Soap der Superreichen.

Aschenputtel mal auf Asiatisch: Die studierte Wirtschaftsexpertin Rachel Chu und der Geschichtsdozent Nicholas Young führen seit zwei Jahren ein glückliches Leben in New York, als Nick vorschlägt, gemeinsam zur Hochzeit seines besten Freundes nach Singapur zu reisen und Rachel bei dieser Gelegenheit auch gleich seiner Familie vorzustellen.