Bücher, Romane
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Kleine Katastrophen.

Die Unzertrennlichen, Stuart Nadler

Dieses Buch ist wie das Leben, denke ich nach dem Zuklappen: streckenweise richtig schön. Aber streckenweise fällt es mir auch schwer, eine Verbindung aufzubauen zu den drei Frauen der Familie Olyphant, die sich hier Seite an Seite durch die Gezeiten ihres Daseins schieben – entlang kleinerer Katastrophen, die vielleicht sogar ausgewachsene Katastrophen sind, wenn man gerade mittendrin steckt.

Die drei Olyphant-Frauen nehmen Katastrophen eben, wie sie gerade kommen: 

Henrietta Olyphant hat in den Sechzigerjahren ein durchaus ernst gemeintes Buch geschrieben, das jedoch in Rekordzeit zum trashigen Sex-Kultbuch avanciert ist – und sie seitdem bis ins Rentenalter verfolgt. Alle ihre Bemühungen, die Berühmtheit des eigenen Werkes zu sabotieren, erweisen sich als vollkommen vergebens. Denn sowohl die begeisterten Leser als auch die Empörten finden immer wieder Anlässe, das „Handbuch für Besucher des weiblichen Körpers“ zur Sprache zu bringen. Etliche Jahre später, nach dem Tod ihres geliebten Mannes, muss Henrietta aus purer Geldnot einer Wiederauflage zustimmen und ist verzweifelt, da ihr ungewollter Ruhm wieder aufzukeimen droht.

Henriettas längst erwachsene Tochter Oona schlägt sich derweil mit geradezu banalen Eheproblemen herum:

Als wäre das chronische Schlafdefizit der Chirurgin nicht schon deprimierend genug, muss sie sich auch noch mit ihrem dauerbekifften Ehemann auseinandersetzen, der sich seit ein paar Jahren vom erfolgreichen Anwalt zum studentisch lebenden Freejazzfan zurückentwickelt. Fraglich ist natürlich, ob man solche Probleme löst, indem man ausgerechnet etwas mit dem eigenen Paartherapeuten anfängt.

Aber derartige Probleme verblassen schier gegen die ihrer jugendlichen Tochter Lydia, die aufgrund eines unfreiwillig in Umlauf gebrachten Nacktfotos zur Zielscheibe ihrer durchweg niederträchtigen Mitschüler auf einer elitären Privatschule wird. Lydia ist meines Erachtens nach auch die Frau, von der die anderen beiden, die sie erzogen haben, glatt noch etwas lernen könnten. Denn nach ein paar nicht nennenswerten Wutausbrüchen geht sie ihren Weg – auch, wenn alle anderen Familienmitglieder gerade am Wegesrand straucheln und sich wie kleine Kinder benehmen.

Mutig, schlau und auch mal bewegend.

Ein teils bildschönes, seitenweise sogar spannendes Buch über Familienbande, die Macht der Gruppe und darüber, dass persönliche Misserfolge manchmal einfach Ansichtssache sind. Ein Buch für alle, die intelligente Dialoge und unvorhersehbare Wendungen in einer guten Story mögen. 

Der Amerikaner Stuart Nadler ist mehrfach für seine Romane ausgezeichnet worden, unter anderem für seinen Debütroman „Ein verhängnisvoller Sommer“, der von der Kritik gefeiert wurde.

Titel: Die Unzertrennlichen
Autor: Stuart Nadler
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: KiWi-Paperback
Ausgabe: (17. August 2017)

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