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Coole Strandlektüre.

Palm Beach, Finland, Antti Tuomainen

Leute, ich hab mir ja Finnland immer dunkel vorgestellt. Dunkle Bäume, dunkles Wasser und in der Weite ein paar dunkle Seelen, die in karierten Flanellhemden mit Fellmützen und trotzigen Gesichtern sehr starken Alkohol trinken. Letztes Jahr im Sommer sind mir in Helsinki dann zwei Dinge klargeworden. 1. Dass ich selten mit irgendetwas so dermaßen falsch gelegen habe. 2. Dass Helsinki so ziemlich das hellste und wunderbarste Fleckchen Erde und Wasser ist, das es gibt. Eigentlich will ich dort tausend Jahre lang in einem Boot sitzen, von einer Insel zur anderen fahren und zwischendurch Lachssuppe am Hafen essen. 

Aber vorher sag ich vielleicht noch kurz was zu Antti Tuomainens Roman:

Der Investor Jorma Leivo hat eine Schwäche für Baywatch, Miami Vice und alles andere, was mit halbseidenen Sachen und knappen Badeanzügen zu tun hat. Daher tauft er das neu erworbene finnische Kähärä-Urlaubsressort auch kurzerhand in „Palm Beach, Finland“ um. Neonfarben, Plastikpalmen und Surfbretter tun ihr Übriges, und wen kümmert da schon das kleine Detail, dass es am „hottest beach in Finland“ eher konstant kühl bleibt? 

Leivo hat schließlich einen Traum. Und Träume erfüllen sich, wenn man dran glaubt. Ab und zu hilft er da auch gerne nach, zum Beispiel als Olivia, Surflehrerin in Geldnöten, ihre alte Villa am schönsten Strand der Gegend nicht verkaufen will. Leivo schickt kurzerhand die beiden verkrachten Gestalten Chico und Robin los, um Olivia einzuheizen. Da die beiden Kumpels aber nicht die hellsten Kerzen am Baum sind, liegt am Ende nur ein toter Fremder in Olivias Küche. 

Das wiederum ruft einen verdeckten Ermittler aus Helsinki auf den Plan, der zwar einen wenig überzeugenden Mathelehrer abgibt, sich aber dafür sehr überzeugend in die Hauptverdächtige Olivia verliebt. 

Verdecktes Surfen.

Während der Ermittler surfen geht, um seine Tarnung aufrecht zu erhalten, kommt raus, dass so gut wie jeder in Palm Beach Geldsorgen hat. Als dann auch noch ein Fremder im Dorf auftaucht und Angebote macht, die kaum einer ablehnen kann, überstützen sich die Ereignisse. Was in Finnland bedeutet, dass die Ereignisse so lange und beharrlich immer kurioser werden, bis auch der letzte Ermittler kapiert hat, dass der Zufall immer bessere Pläne schmiedet als der schlimmste Ganove. 

„Palm Beach, Finland“ ist eine richtig coole Krimikomödie, die Spaß macht und nicht allzu viel vom Leser abverlangt.

Die kuriosen Romangestalten sind Weltklasse und die Geschichte teilweise etwas schwächlich, aber immer unterhaltend. Genau das Richtige, um am Strand zu liegen und zu lesen. Muss ja nicht grad in Finnland sein. 

Antii Tuomainen lebt in Helsinki und ist einer der erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde unter anderem mit dem Clue Award, dem begehrten finnischen Krimipreis ausgezeichnet und von der Presse als König des „Helsinki Noir“ bezeichnet.

Titel: Palm Beach, Finland
Autor: Antti Tuomainen
Gebundene Ausgabe: 365 Seiten
Verlag: rowohlt (Hundert Augen)
Ausgabe: 1. Auflage, Februar 2019

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