200 Seiten, Bücher
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Wenn es Nacht wird in Köln.

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

„Das wird nicht in deinen Buchblog passen,“ schreibt Steff und möchte mir trotzdem ein Buch schicken. Als es ankommt, geht es mir ein bisschen wie an meinem ersten Tag in Köln:

Ich wandere glücklich durch die Buchseiten wie durch die schwül-warmen Straßen am ersten Juli 2001, am Barbarossaplatz wird es langsam dunkel, und überall sind Menschen, zwischen Kyffhäuser und Zülpicher, lachend und schwatzend und scherzend und trinkend und manchmal auch schon deutlich schwankend. Und natürlich ist NACHTS NICHT WEIT VON WO von Peter Rosenthal (Herausgeber), Stefan Flach (Designer) und Michael Weißmann (Fotograf) ein Buch für meinen Blog, weil es ein ähnlich gutes, authentisches Erlebnis ist wie ebendieser Marsch durch die damals noch neuen Straßen.

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

Das Buch ist matt und dunkel wie Stadt-Asphalt, kurz bevor der Regen drauffällt und das ganze Konfetti wieder zu matschiger Großstadtpampe macht. Die Beiträge sind von mehr als 15 Autoren und 11 Fotografen aus Köln-Ehrenfeld und dem Rest der Welt.

Hier folgen Gedichte auf Songs, Kurztexte auf Zitate, Erzählungen auf Fragmente, Dunkelheit auf Abschied, Erinnerungen auf Morgengrauen – alles zusammengetragen und fotografisch in Köln Ehrenfeld angesiedelt, aber doch auch so, als könne es überall auf der Welt sein, nicht weit von wo auch immer.

Man sagt, Köln sei ein Gefühl. Für mich ist Köln ein Buch.

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

Denn hier erzählen sich die Leute in der Tat genau solche Geschichten, ejal wo de bess. Im Kiosk, wo noch Licht brennt, in der Schlange vor Poldis Fressbude oder in der Bahn kurz vor der nächsten Haltestelle. Das Buch liest sich demnach, als hätte man diese ganzen lichten Momente und Begegnungen zusammengetragen, unterbrochen nur von Fotos, deren Schönheit darin liegt, dass sie sich nicht schön gemacht haben, bevor sie losgezogen sind. Auch das ist sehr kölsch, denn während der Hamburger noch seinen hellblauen Hemdkragen zurechtrückt, hat man hier in jeder Kaschemm schon drei Kölsch weg und vier neue Freunde.

Fazit: Kaufen und durch Köln ziehen. Literarisch oder zu Fuß.

Nacht hin oder her: NACHTS NICHT WEIT VON WO schafft es, dass sich ein Köln-Gefühl in mir ausbreitet wie das Grinsen beim Anblick des Kölner Doms: Ich kann es nicht verhindern, und ich würde auch niemanden mögen, der es versucht. Ob es für Ortsfremde zu empfehlen ist? Ja. Und mach, dass du nach Köln kommst, du armer, unglücklicher Tropf.

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

Danke an Stefan Flach, der mir dieses Buch geschickt hat. Im König Verlag erschienen ist der heimliche Vorgänger des Buches, falls du dir die gesamte Kölnpackung geben willst: VENEDIG IST AUCH NICHT VIEL GRÖSSER ALS EHRENFELD.

Titel: Nachts nicht weit von wo
Herausgeber: von Peter Rosenthal
Design: Stefan Flach 
Fotografie: Michael Weißmann
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Weissmann Verlag
Auflage: Erstauflage (12. Dezember 2019)

Vielleicht mal reinhören:
Buchbesprechung beim WDR3, Kultur am Mittag.

Transparenz: Meine Ausgabe ist ein Rezensionsexemplar.
Lieben Dank an den Verlag für die freundliche Bereitstellung.

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