Kolumne
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Instagram. Von Liebe und Zeit.

Insta

Seit ich den Blog hab, lese ich seltener Bücher. Zugegeben, eine ganze Menge meiner Zeit geht für Instagram drauf, und manchmal ärgere ich mich darüber. Nicht zuletzt, weil Insta mir vor Augen führt, was ich alles nicht kann. Fotos machen zum Beispiel. Ehrlich gesagt bewegen sich meine Skills im Fotografieren ungefähr auf dem Level meiner Kochkünste: Mit viel Konzentration krieg ich eine anständige Bolognese hin. Fotos für Instagram zu machen ist demnach für mich, als würde ich permanent Menschen zu mir nach Hause zum Essen einladen und sie bitten, Likes zu hinterlassen. Alle sind voll nett, und man wird nie erfahren, warum einige nie wiederkommen. Oh Gott, die haben sich bestimmt den ganzen Abend gelangweilt, und außerdem hatten die gestern schon Italienisch. Und schon sitzt man geknickt in der Sofaecke rum und stellt die komplette Zeit, die man davor in der Küche gestanden hat, ordentlich in Frage. 

Klar geht es bei einem Buchblog in erster Linie um Inhalte, aber ich freu mich ja selbst, wenn mein Feed schön aussieht und was hermacht. Zwischendurch, aus purem Zufall, tut er das auch. Das mit den Storys habe ich kurz angefangen und dann direkt wieder aufgegeben, echt jetzt. Man soll sich nie überschätzen, Schuster und Leisten sage ich nur. Vielleicht mach ich einen Fotokurs, und alles wird besser. Oder ich kauf mir ein Buch. Obwohl, beides hat beim Kochen auch nicht wirklich geholfen.

Bilder von mir selbst zu posten ist eigentlich die größte Herausforderung. 90% aller Bilder von mir sehen in meinen Augen komisch aus. Strange, wenn auch patent. Erwachsen. Belesen. Knapp an interessant vorbei, quasi Granny Style trifft Berufsjugendliche. Eigentlich ok. Ich bin das nur nicht. Oder doch?

Ich komm eben aus so einer Generation, in der man einer nicht beigebracht hat, für Selfies zu posieren oder irgendeine Beauty-Hackfresse zu ziehen. Diese graue, schlimme Zeit vor den Schminktutorials, als Frisuren noch danach bewertet wurden, ob sie eine Fahrt mit dem Vesparoller ins nächste Dorf überstehen. Lange Zeit habe ich unter anderem aufgrund dieses Rollers einen Kurzhaarschnitt getragen, von dem ein Exfreund einmal sagte, er würde zwar „abstoßend, aber intellektuell“ wirken. Hier noch mal offiziell danke dafür, Michael. 

Kurz gesagt ist Social Media eine echte Herausforderung für Menschen wie mich, denen man eingebläut hat, dass Eitelkeit eher was für Doofe ist. Wieso ich Instagram trotzdem liebe? Weil es toll ist, in neuen Büchern und anderen Leben zu wühlen. Weil einem Menschen ans Herz wachsen, die man noch nie persönlich gesehen hat. Weil es so schön bunt ist und manchmal unglaublich witzig. Weil manche Texte mich nachdenklich machen. Und weil es so wirkt wie ein Feuilleton in der Pubertät – unverständlich, ein bisschen peinlich und ziemlich angsteinflößend für normale Leute. 

Natürlich hab ich mir das alles einfacher vorgestellt und könnte manchmal leise heulen, weil es echt schwierig ist, Follower zu bekommen. Auf der anderen Seite liebe ich meine rund 150 Abonnenten, die ich seit meinem Blogstart im Februar unterhalten darf. Wenn wir alle persönlich in einem Raum wären, wären wir schon eine mittelgroße Party!!! Und mir fallen auf Anhieb Menschen ein, die ich gerne mal persönlich drücken würde. 

Komisch, als ich diesen Artikel angefangen habe, wollte ich eigentlich über was ganz anderes schreiben, nämlich über meine fünf Lieblingsblogger. Und dann hat es mich irgendwie fortgetrieben, wie so oft bei Instagram. Läuft ja nicht weg, das mit den Bloggern. Und heute Abend les ich mal keinen Feed, sondern ein Buch. 

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