Bücher, Romane
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Kitsch reloaded.

Schund und Sühne, Anna Basener

Letztens habe ich ein Interview mit Anna Baseler gelesen, die über zehn Jahre lang Groschenroman-Autorin war, bevor sie ihren ersten Roman verfasste. Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin noch nie darüber nachgedacht, dass diese ganzen Heftchen nicht einfach so vom siebten Himmel fallen. Besagte Autorin war jedenfalls top im schwülstigen Schreiben, und unter dem Pseudonym Catharina Chrysander wurde sie die „erfolgreichste deutsche Groschenroman-Autorin“ (DIE ZEIT).

Irgendwann hatte Frau Baseler sie dann alle mal gehabt, die Happy Ends. Fortan schrieb sie Romane: 2017 erschien ihr ausgezeichnetes Debüt Als die Oma den Huren noch Taubensuppe kochte, das im Schauspiel Dortmund auf der Bühne aufgeführt und aktuell fürs Kino verfilmt wird. Im Januar 2019 folgte Schund und Sühne. Und da ich eine glühende Verfechterin des einfachen Wortspiels bin, ging mir das Buch einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Die Story ist simpel und kurzweilig:

Eine Berliner Groschenroman-Autorin gelangt durch ein etwas nachlässig vergebenes Literaturstipendium auf ein Schloss in Niedersachsen. Selbstverständlich verliebt sie sich dort schon bald in den Prinzen – nur der steht auf Männer. Ende der Kitschgeschichte? Nö, nicht bevor so ziemlich alles aufgetischt wurde, was in Heftromanen streng verboten ist, beispielsweise Sex, weiche Drogen, eine Tiere mordende Prinzessin oder eine korrupte Schnittrosen-Industrie. Alles zusammen ergibt dann einen Mix wie eine zu heftig geschüttelte Schampusflasche – am Anfang erfreulich explosiv, am Ende leider auch ein bisschen schal.

Nun denn.

Während Großstädter auf Diadem-Trägerinnen und Landeier auf Weltverbesserer treffen, lernt man allerlei über den Adel, der sich gerade selbst überlebt.

Streng genommen gibt es ihn ohnehin seit hundert Jahren nicht mehr, seit in Deutschland alle Adelstitel zu Nachnamen degradiert wurden – aber who cares? Wegen so einer Lappalie verlöre doch keiner seine Kontenance, und irgendwo ist schließlich immer Ballsaison. Doch dass schwule Prinzen und sitzengelassene Prinzessinnen keine Erben hervorbringen, das könnte in der Tat für einen riesigen Skandal sorgen …

„Dieses Schloss ist ein verdammtes Irrenhaus. Die Vergangenheit gehört nicht in die Gegenwart, das macht nur alle verrückt.“

Alles in allem ist das ein amüsanter Zeitvertreib, den Anna Baseler da zu Papier gebracht hat. Die große Stärke des Buches sind sicher die teils lustig überzeichneten Adelsfuzzis, die sich oft so gar nicht standesgemäß verhalten. Offenbar liegt das Thema der Autorin, die auch einen Adels-Podcast moderiert. Ein paar witzige Anekdoten aus dieser Welt und die lockere Schreibe haben mich dann auch über idiotische Sexszenen, deplatziert wirkende Kraftausdrücke und ein albernes Ende hinweggetröstet. Vielleicht musste das ja einfach mal raus nach den ganzen Heftromanen. Sonderapplaus übrigens für Prinz Harry und das Zitat des eigenen Pseudonyms Catharina Chrysander vorne im Buch, das ist die Art von Humor, für den ich am liebsten mit Konfetti schmeißen würde.

Fazit: Lesen, Freuen, vielleicht wieder vergessen. Aber mit einem guten Gefühl ein unterhaltsames Buch zuklappen. Das ist doch schon mal was.

Titel: Schund und Sühne
Autor: Anna Basener
Broschiert: 240 Seiten
Verlag: Eichborn
Auflage: 2. Aufl. 2019 (31. Januar 2019)

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