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Very british & vergnüglich.

Der Pfau, Isabel Bogdan

Manchmal sieht man eben rot, und dann nützt einem auch die adlige Herkunft nichts mehr: In Isabel Bogdans „Der Pfau“ schlägt ein stolzes Federvieh aus der Art und bringt damit eine Komödie in Gang, die einen ganz zauberhaften britischen Humor versprüht.

Zur Story:

Auf dem charmant verfallenen schottischen Landsitz von Lord und Lady McIntosh kündigt sich eine Gruppe Londoner Investmentbanker an, die dort ein Teamcoaching-Wochenende abhalten will. Die Vorbereitungen laufen gut, bis Hausfee Aileen sich den Arm bricht und einer der ansonsten eher majestätischen Pfauen wiederholt bei der Farbe Blau austickt.

„Im Oktober zerfetze der Pfau eine blaue Mülltüte und verteilte ihren Inhalt großräumig über den Rasen, er nahm einem Gastkind ein blaues Spielzeug weg und verschleppte es in den Wald, … und er zerdepperte unter beträchtlichem Getöse die Dekokugel aus blauer Keramik, die Fiona neben den Teich gelegt hatte …“

Ein Pfau ist doch ein Pfau und kein Problem, denken die McIntoshs anfangs noch, bis die dauergestresste Chefin der Privatbank-Abteilung im metallic-blauen Sportwagen vorfährt, im Schlepptau ein latent unwilliges Team, eine überforderte Coaching-Assistentin und eine eigene Köchin. Der adlige Hausherr muss sich schnell was einfallen lassen und setzt damit allerlei sehr lustige Verwicklungen in Gang, welche die Wochenendgäste ganz schön an ihre Grenzen bringen. 

„Lord McIntosh war Frühaufsteher. Als er am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe aus dem Haus trat, hörte er es sofort, mittlerweile kannte er das Geräusch von Pfauenschnabel auf Autolack.“

Dazu kommt das schottische Winterwetter, eine durchgebrannte Sicherung (nicht nur beim Pfau) und eine sehr findige Köchin, die dafür sorgt, dass alle Gäste den Aufenthalt ohne größere Schäden überstehen. Oder sagen wir: fast alle. 

Die Geschichte ist so urkomisch und feinsinnig erzählt, dass die Figuren in ihrem Verlauf immer liebenswerter werden. Denn jeder Gast hat seine eigene feine englische Art, mit den schottischen Gegebenheiten umzugehen. Einzig gestört hat mich, dass Bogdan im Buch keine wörtliche Rede verwendet. Ich fand das, obwohl es top zum Erzählstil passt, beim Lesen total befremdlich. 

Ich habe mich trotzdem herrlich amüsiert und empfehle „Der Pfau“ sehr gerne weiter. Ein Fest für alle, die auf britischen Humor und charmante Geschichten stehen.  

Isabel Bogdans ist gebürtige Kölnerin, Wahlhamburgerin und übersetzt unter anderen Jane Gardam, Nick Hornby und Jonathan Safran Foer. Sie ist sowohl für ihre Übersetzungen, als auch für ihr geschriebenes Werk mehrfach ausgezeichnet worden. 

Titel: Der Pfau
Autor: Isabel Bogdan
Taschenbuch: 247 Seiten
Verlag: Insel Verlag
Auflage: 7 (11. September 2017)

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