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Verlieren ist das neue Gewinnen.

How to fail, Elisabeth Day

Es gehört schon viel dazu, übers Scheitern zu schreiben. Eine meiner größten persönlichen Niederlagen war die, einen Jungen zu verlieren, weil ich mir die Haare verfärbte. Nunja, ehrlich gesagt war er gar kein Junge mehr, sondern er war mindestens 28, und ich war damals mitten im Studium. Eigentlich waren wir auch nie ein echtes Paar. Wie dem auch sei: Ein Mann, der einen nicht mehr anruft, weil man tags zuvor zur falschen DIY Coloration gegriffen hat, ist entweder der Falsche oder ein Arschloch. Für Letzteres spricht, dass er die Frau vor mir nicht mehr anrief, weil sie seinen Wagen nicht richtig einparken konnte. Für Ersteres spricht, dass er mit der Frau nach mir wahrscheinlich heute noch zusammen ist.

Heute hat das alles längst keine Relevanz mehr. Aber wenn ich darüber nachdenke, ereilt mich dieses miese Loser-Gefühl, etwas im entscheidenden Moment legendär verkackt zu haben – und dass mit der richtigen Haarfarbe/dem richtigen Job/dem richtigen Partner/dem nötigen Kleingeld alles gut geworden wäre. Echt jetzt. Eine Haarfarbe. Wie armselig. Ich weiß.

Scheitern ist eben nie sonderlich glamourös.

Auf einen coolen Epic Fail (Bill Gates hat auch erst …, bevor er …) kommen bestimmt 1000 schlimme kleine Versagerstories. In ihrem bekannten Podcast „How To Fail With Elisabeth Day“ überlässt die bekannte Journalistin und Bestsellerautorin es ihren teils sehr prominenten Gästen zu wählen, von welcher Niederlage sie erzählen. Und oft sind es eben nicht die Epic Fails, sondern die kleinen Nadeln, die auch im dicksten Fell hartnäckig stecken bleiben.

Und so ist auch das Buch HOW TO FAIL eine teils interessante Ansammlung von persönlichen und prominenten Niederlagen aller Art und des Versuchs, ihnen eine Bedeutung zu verleihen. Für mich klappt das sogar teilweise. Scheitern in meinem Leben ist aber trotzdem eher wie die Story meiner Freundin Maren, die mal auf einem Konzert einen Stage Jump gewagt hat, und unten sind alle einen Schritt zur Seite gegangen. Sinnlos mit dem Gesicht nach unten im Dreck liegen, und alle anderen holen sich noch ein Bier. Das Scheitern erteilt uns eben Lektionen, die der Erfolg so niemals hinbekommen hätte.

I wanted to save Gotham. I failed.“
„Why do we fall sir? So that we can learn to pick ourselves up.

(Batman & Alfred)

„Wieder was abgehakt“ statt „Alles ist aus“.

Zwei Erkenntnisse habe ich aus dem Buch mitgenommen: Erstens betrachten wir das Scheitern als Endpunkt, dabei ist es oft nur einer von vielen Zwischenstopps zum Ziel. Oder wie sagt man so schön: Du musst viele Frösche küssen, bis einer sich in einen Prinzen verwandelt (und wenn du dann Prinzessin bist, wärst du vielleicht doch lieber Schauspielerin geblieben). Zweitens sollten wir alle mehr übers Scheitern sprechen. Über die Wut, die Ohnmacht, die Peinlichkeiten. Es hat mir echt gutgetan, dass auch mal Schwarz auf Weiß zu lesen. Denn gerade bei Frauen, wie Day sehr treffend sagt, verbucht man Scheitern gerne als peinliche Schwäche und persönliches Defizit.

Fazit: Es ist ein Buch.

Und mit einem Buch kann man nicht jedes miese Gefühl erschlagen. Aber ich habe viel über meine Einstellung zum Scheitern nachgedacht und darüber, dass es in meinem Leben oft die Abkürzung zur Wahrheit war. Mein erster Creative Director in einer Werbeagentur hat mal über meine Texte geguckt und mich dann gefragt: „Ganz ehrlich: Würdest du sowas lesen wollen?“ Heute lasse ich meine Haarfarbe in Ruhe und schreibe Texte, die ich gerne lese. Hat beides ein bisschen gedauert. Was soll’s. Zu irgendwas wird es ja gut gewesen sein.

Titel: How To Fail. Warum wir erst durch Scheitern richtig stark werden
Autorin: Elizabeth Day
Broschiert: 352 Seiten
Verlag: Goldmann
Auflage: Deutsche Erstausgabe (16. März 2020)

Transparenz: Meine Ausgabe ist ein Rezensionsexemplar.
Lieben Dank an den Verlag für die freundliche Bereitstellung.

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