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Soap der Superreichen.

Kevin Kwan, Crazy Rich Asians

„Ich habe keine Ahnung, wer diese Leute sind, aber sie sind reicher als Gott persönlich.“

Aschenputtel mal auf Asiatisch: Die studierte Wirtschaftsexpertin Rachel Chu und der Geschichtsdozent Nicholas Young führen seit zwei Jahren ein glückliches Leben in New York, als Nick vorschlägt, gemeinsam zur Hochzeit seines besten Freundes nach Singapur zu reisen und Rachel bei dieser Gelegenheit auch gleich seiner Familie vorzustellen.  

Was als romantische Idee beginnt, endet jedoch schon kurz nach der Ankunft in Nicks Heimat im totalen Beziehungs-Desaster. Denn wie sich herausstellt, gehört Nicks Familie zu den so genannten „Auslandschinesen“, die China bereits Jahrhunderte vor dem Kommunismus verlassen und im übrigen Asien riesige Vermögen angehäuft haben.

Diese Leute sind so crazy rich, dass sie ein Londoner Luxushotel kaufen, nur um einen rassistischen Hotelangestellten abzustrafen oder für ein paar Ohrringe mal eben das Jahresgehalt eines Top-Managers hinblättern. Besonders Nicks Cousine Astrid Leong führt ein sinnentleertes Leben zwischen Haute Couture und stilvoller Verzweiflung: 

„Und da war da noch dieses kleine, wesentliche Detail: Sie gehörte zum obersten Zirkel der asiatischen Superreichen, einem geheimnisvollen, exklusiven Kreis von Familien, die Außenstehenden völlig unbekannt waren und unermessliche Reichtümer besaßen.“ 

Zwei Dinge sind indes im Olymp der Superreichen untersagt: mit Reichtum prahlen und außerhalb der eigenen Reihen anbändeln. Da lässt man lieber sein pervers großes Anwesen bei Google Earth schwärzen und geht gnadenlos gegen alle vor, die – wie Rachel – keinen standesgemäßen Eindruck vermitteln.

Als „ABC“ (American-born Chinese) mit alleinerziehender Mutter, die sich hochgearbeitet hat, sieht sich Rachel mit äußerlich schillernden Menschen konfrontiert, die innere Werte komplett ignorieren und die studierte junge Frau als Bodensatz der Gesellschaft abstempeln. Nicks Mutter Eleanor versucht die Schwiegertochter so schnell wie möglich loszuwerden. Allerdings wirkt sie dabei oft so harmlos, dass jede Märchenschwiegermutter einen Lachanfall bekäme. Auch die Intrigen einiger fieser High-Society-Zicken kommen eher rüber wie verunglückte Abistreiche – nur ohne den Intellekt.  Unterhaltsam sind die Allüren der schwindelerregend Reichen jedoch allemal, und am Ende wird ja auch alles wieder gut, so wie es sich für eine leichte Cinderella-Story gehört.

Viel Geld um nichts.

So richtig was Dramatisches passiert in Crazy Rich Asians nicht. Daher tut Rachel dem Leser im Verlauf der Lektüre auch ungefähr so leid wie jemand, dem im Dreisterne-Restaurant kurz das Sahnetörtchen vom Teller rutscht. Ob man am Ende besser in Chanel heult oder in China ein Sack Reis umfällt – was soll’s, es hat ja Spaß gemacht.

Titel: Crazy Rich Asians
Autor: Kevin Kwan
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Kein & Aber
Ausgabe: 1. Auflage, neue (13. Mai 2019)

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