Alle Artikel in: Sachbücher

Older, but better, but older, Sophie Mas, Caroline de Maigret

Nett, aber nicht better: Ewachsenwerden à la Parisian.

Heute ist mein 49. Geburtstag, und wenn ich mir noch eine Sache wünschen würde, dann wäre das eine Zigarette. Nicht, dass ich sie mir nicht leisten könnte, aber wenn man mit den Jahren etwas verliert, dann ist es dieses magische Gefühl der Unsterblichkeit. Und daher vermisse ich sie, die Zigarette. Mon dieu, habe ich gerne geraucht, pardon, aber das war toll, und ich sah gut dabei aus. C’est la vie ab 40.   Auch die Autorinnen von OLDER BUT BETTER BUT OLDER haben offensichtlich das Rauchen aufgegeben. Überhaupt sind aus den herrlich impulsiven, nichtperfekten Frauen meines geliebten HOW TO BE PARISIAN, WHEREVER YOU ARE zwar gesündere, aber auch blassere Zweiflerinnen geworden. Selbstverständlich sind wir uns in vielen Dingen einig; ab 45 verdient man gegenseitigen Respekt. Ich bin zum Beispiel auch nicht mehr gerne ultralang auf Partys. Aber ein Haufen sympathischer Endvierziger, der sich gegen halb eins die Strickjacken vom Leib reißt, ist auch einfach nicht mehr das Gleiche. Früher waren da Körperlichkeit, Rauch und Gefahr. Heute gibt es Weißweinschorle, Sicherheit und nette Gespräche. Diese Entwicklung …

Die Bullet Journal Methode, Ryder Carrol

Nicht ohne mein Bullet Journal: Wie ich gelernt habe, mich besser zu organisieren.

Mein Leben wurde bis vor kurzem dürftig zusammengehalten von Zetteln und To Do-Listen. #mentalload nennt man das, wenn du dir am liebsten ein Wegen-Überfüllung-geschlossen-Schild vors Hirn hängen würdest. Bei mir kam noch dazu, dass ich nicht gerade ordentlich bin, also hatte ich am Ende einen digitalen Familienkalender, über 70 digitale Notizen im Handy, eine Kladde für die Zettel der Kinder, weitere lose Zettel (im ganzen Haus verteilt) und mindestens drei oder vier Notizbücher (in meinen Handtaschen, also für immer verloren). Trotzdem war ich ständig in Sorge, irgend etwas zu vergessen. Auch die Sucherei nach Notizen wurde immer aufwändiger. Hatte ich mir dies oder das überhaupt notiert? Und wenn ja, wo? Letztes Jahr sah ich dann das Bullet Journal meiner Schwester. Und tat, was ich immer tat: Ich bestellte ein Buch. Deine externe Festplatte fürs Hirn. Die Bullet Journal Methode von Ryder Carroll ist eine einfache Methode, einen handschriftlichen Kalender zu führen, der gleichzeitig ein Allround-Notizbuch, ein Ziele- oder Projektplaner, dein Tagebuch oder eben das sein kann, was du daraus machst. Hört sich nach Aufwand an, …

Lagerfeld your Life, Anna Basener

Die Leichtigkeit des Karlseins.

Nein, ich habe nicht Rotz und Wasser geheult, als Karl Lagerfeld im Februar 2019 gestorben ist. Ich bin mehr der Oh-Schreck-Freddy-Mercury-ist-tot-Typ. Nichtsdestotrotz hat die Welt mit Karl jemanden verloren, der die Kunst beherrschte, kreativ, impulsiv und ein Vorbild zugleich zu sein. Warhol war nie so klar im Kopf. Kinski konnte sich nicht benehmen. Hemingway hatte ständig einen Kater. Aber Lagerfeld hatte sich im Griff und war trotzdem herrlich inkonsequent. Davon abgesehen muss ich bei ihm immer an meine Freundin Katja denken, die zu Karneval mal als Lagerfeld gegangen ist, während ihr Freund Lutz Choupette war. Danach kommt nicht mehr viel, so rein style- und humortechnisch, wenn ihr mich fragt. Als ich gelesen habe, dass Anna Basener ein Buch über Lagerfeld schreibt, war es mir daher ziemlich egal, dass Karl nicht Freddy und mein Buchblog kein Styleblog ist*. Denn Frau Basener hat eine ähnliche Gabe wie Herr Lagerfeld: Sie haut Sätze raus, die ich mir am liebsten sofort auf ein Kissen sticken würde. Gute Kombination also, eine modeverliebte Schreiberin und ein Modezar, neben dem selbst Vertreter …

Das Geschichtsbuch

Schöner schlau werden.

Nur, damit wir das gleich am Anfang geklärt haben: Ich bin echt ziemlich doof. Ich meine jetzt nicht doof im Sinne von unsympathisch, sondern dieses armselige, peinliche Schuldoof. Mathe? Passables Grundschulniveau. Geographie? Ganz bitter. Geschichte? Kein Kommentar. Deshalb bin ich auch vor Freude förmlich hochgehüpft, als ich DAS GESCHICHTSBUCH aus dem Dorling Kindersley Verlag entdeckt habe: Endlich mal einer, der sich auf mein Niveau herunter bequemt und ein kurzweiliges Buch anbietet, bei dem man keine Knoten im Gehirn bekommt. Große Ereignisse, einfach erklärt. Das Buch macht genau das, was draufsteht und zwar ziemlich perfekt: Komplizierte Zusammenhänge werden endlich so dargestellt, dass man sie häppchenweise und ohne Vorkenntnisse inhalieren kann. Also kann man einfach mal in der Kaffeepause in die Französische Revolution reingucken oder nachlesen, was Cäsar so zu Fall gebracht hat. Toll finde ich, dass dabei die treibenden Ideen und Persönlichkeiten im Vordergrund stehen, nicht Jahreszahlen oder schnöde Details: Geschichtliche Strömungen werden anschaulich in einen Zusammenhang gesetzt, so dass man Weltbewegendes mit einem Blick versteht. Auch das Design: 1 plus mit Sternchen. Der kurzweilige Inhalt …

Slow, Brooke Mc Alary

Entdeckung der Langsamkeit.

Ich sag mal so: Wir alle neigen dazu, stets mehr vom Gleichen zu tun und die Dinge einfach anzuhäufen. Vollkommen egal, ob Klamotten oder Alltagstätigkeiten. Auch, wenn es oft gar keinen Sinn macht: Wenn ein es ein Haufen ist, fühlt es sich erst mal gut an. Das Blöde an Haufen ist lediglich, dass die wichtigen Dinge oft ganz unten liegen. Darüber hinaus neigen Haufen oft dazu, unaufmerksame Besitzer unter sich zu begraben.

Notizbücher, Suhrkamp

Notizbücher können Leben retten.

Vor Jahren hat mich mal jemand gefragt, welches Buch ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde. „Ein Notizbuch“, habe ich gesagt. Denn bevor ich in Ermangelung einer Alternative immer das gleiche gewellte und meergesalzene Buch gegen die Sonne hielte, würde ich wohl eher ein eigenes schreiben. Außerdem machen Notizbücher verdammt gute Laune, weil sie der Anfang von allem sind. Und ausgesetzt auf einer einsamen Insel hat man früher oder später bestimmt ein klares Gute-Laune-Defizit. Mit einem Notizbuch hingegen ist man direkt viel aufgeräumter.  Voller Tatendrang. Wohlorganisiert. Elaboriert. Man gehört gewissermaßen zu den Klugen unter den Alltags-Schiffbrüchigen. Zu denen, die kapiert haben, was wichtig ist. Jene, deren Gedanken auch Schwarz auf Weiß noch einen Sinn ergeben. Natürlich ist das nichts für jeden, aber Chanel N° 5 ja schließlich auch nicht.  Notizbücher und Chanel N° 5 haben gemeinsam, dass sie einen mit diesem leichten Hauch von purer Perfektion umgeben.  Zumindest bis ich mich das erste Mal verschreibe. Das ist dann der Punkt, an dem mir auffällt, dass ich dringend mal meine krakelige Handschrift überdenken sollte. Und plötzlich ist das Leben …