Alle Artikel in: Bücher

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden, Genki Kawamura

Charmante Erzählung über das, was zählt.

Es gibt zu viele Sachen. Überall liegen sie herum. Manchmal fragt man sich, wie sie eigentlich alle dorthin gekommen sind, wo sie jetzt sind – und wer um alles in der Welt gesagt hat, dass wir sie wirklich brauchen. WENN man dann mal eine Sache wirklich braucht, ist sie oft unter so vielen anderen Sachen begraben, dass man sie nicht mehr findet. Selbst verloren gehen einem Sachen noch auf die Nerven.   Wie wäre es wohl, wenn alle diese Sachen verschwänden? Oder besser: die, die uns allen den Blick auf das Wichtige versperren, auf das Leben oder auf uns selbst? Das wäre ein ziemlich guter Deal. Nur leider ist dies nicht wirklich der Deal, den der junge Briefträger in Genki Kawamuras zauberhaftem Buch WENN ALLE KATZEN VON DER WELT VERSCHWÄNDEN mit dem Teufel macht. Ein Teufel im Hawaii-Hemd. Als ein japanischer Briefträger mit Dreißig erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, lässt er sich auf einen ungewöhnlichen Pakt mit dem Teufel ein: Für jeden geschenkten Tag, den der Briefträger länger leben kann, darf …

Lagerfeld your Life, Anna Basener

Die Leichtigkeit des Karlseins.

Nein, ich habe nicht Rotz und Wasser geheult, als Karl Lagerfeld im Februar 2019 gestorben ist. Ich bin mehr der Oh-Schreck-Freddy-Mercury-ist-tot-Typ. Nichtsdestotrotz hat die Welt mit Karl jemanden verloren, der die Kunst beherrschte, kreativ, impulsiv und ein Vorbild zugleich zu sein. Warhol war nie so klar im Kopf. Kinski konnte sich nicht benehmen. Hemingway hatte ständig einen Kater. Aber Lagerfeld hatte sich im Griff und war trotzdem herrlich inkonsequent. Davon abgesehen muss ich bei ihm immer an meine Freundin Katja denken, die zu Karneval mal als Lagerfeld gegangen ist, während ihr Freund Lutz Choupette war. Danach kommt nicht mehr viel, so rein style- und humortechnisch, wenn ihr mich fragt. Als ich gelesen habe, dass Anna Basener ein Buch über Lagerfeld schreibt, war es mir daher ziemlich egal, dass Karl nicht Freddy und mein Buchblog kein Styleblog ist*. Denn Frau Basener hat eine ähnliche Gabe wie Herr Lagerfeld: Sie haut Sätze raus, die ich mir am liebsten sofort auf ein Kissen sticken würde. Gute Kombination also, eine modeverliebte Schreiberin und ein Modezar, neben dem selbst Vertreter …

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

Wenn es Nacht wird in Köln.

„Das wird nicht in deinen Buchblog passen,“ schreibt Steff und möchte mir trotzdem ein Buch schicken. Als es ankommt, geht es mir ein bisschen wie an meinem ersten Tag in Köln: Ich wandere glücklich durch die Buchseiten wie durch die schwül-warmen Straßen am ersten Juli 2001, am Barbarossaplatz wird es langsam dunkel, und überall sind Menschen, zwischen Kyffhäuser und Zülpicher, lachend und schwatzend und scherzend und trinkend und manchmal auch schon deutlich schwankend. Und natürlich ist NACHTS NICHT WEIT VON WO von Peter Rosenthal (Herausgeber), Stefan Flach (Designer) und Michael Weißmann (Fotograf) ein Buch für meinen Blog, weil es ein ähnlich gutes, authentisches Erlebnis ist wie ebendieser Marsch durch die damals noch neuen Straßen. Das Buch ist matt und dunkel wie Stadt-Asphalt, kurz bevor der Regen drauffällt und das ganze Konfetti wieder zu matschiger Großstadtpampe macht. Die Beiträge sind von mehr als 15 Autoren und 11 Fotografen aus Köln-Ehrenfeld und dem Rest der Welt. Hier folgen Gedichte auf Songs, Kurztexte auf Zitate, Erzählungen auf Fragmente, Dunkelheit auf Abschied, Erinnerungen auf Morgengrauen – alles zusammengetragen und fotografisch in Köln Ehrenfeld angesiedelt, aber doch …

Edgar Rai, Im Licht der Zeit

Kopfkino mit Marlene.

Volià, die Zwanzigerjahre sind da. In den letzten Zwanzigern hätten wir jetzt das erste „Funkspiel“ im Radio angehört. Heute begleiten uns Hörbücher, Podcasts oder Hörspiele nahezu überallhin. Rund acht Millionen von uns hören täglich*, und es gibt Zeiten, da bin ich eine von ihnen. Gerade in der letzten Woche hat mir ein Hörbuch wieder das Leben gerettet, als meine Familie stressig, krank, chaotisch und alles das war, was Familien sein können, wenn sie nicht gerade ganz entzückend sind. Das Buch sprüht vor Witz und Zeitgeschichte – vielleicht hörst du ja auch mal rein.   IM LICHT DER ZEIT von Edgar Rai Willkommen in den Goldenen Zwanzigern, als der Stummfilm den Heldentod stirbt und der deutsche Tonfilm geboren wird: DER BLAUE ENGEL macht das bislang als völlig talentfrei geltende Revuemädchen Marlene Dietrich über Nacht unsterblich. Der Film, in dem sie als Varietésängerin Lola Lola einen gestandenen Professor zugrunde richtet, ist heute noch Kult. Der Roman des Wahlberliners Edgar Rai ist auch als Hörbuch erste Klasse. „Diese Beine werden es wohl noch mal weit bringen.“ (Marlenes Tante …

Melanie Raabe, Die Wälder

Vier Freunde und der böse Wolf.

„Der Anruf brachte alles zurück. Das Dorf und die Wälder. Das röteste Rot und das schwärzeste Schwarz.“ In ihrem neuen Thriller DIE WÄLDER bringt Melanie Raabe die Medizinerin Nina an die dunkelsten Abgründe ihrer Kindheit zurück: Ein Mädchen ist vor Jahren im Wald verschwunden. Keiner will es gesehen haben. Nur vier Kinder kommen der Wahrheit gefährlich nahe … Zur Story: Als Nina vom plötzlichen Tod ihres Schulfreundes Tim erfährt, ist sie völlig außer sich. Zumal Tim noch kurz vor seinem Ableben versucht hat, Nina zu erreichen. Hat er endlich das letzte Puzzleteil gefunden, um das Verschwinden seiner Schwester Gloria in seiner Kindheit aufzuklären? Dann trudelt auch noch einen Brief von Tim mit genauen Anweisungen ein, und Nina fackelt nicht lange: Sie macht sich auf den Weg in ihr Heimatdorf mitten im Wald, um an Tims Stelle die Wahrheit über Gloria herauszufinden – ausgerechnet mit dem Mann, den sie seit Kindertagen fürchtet. „Die Wälder, das bedeutet: kein Zurück mehr. Keine anderen Menschen mehr. Kein Handyempfang mehr. Die Wälder, das bedeutet: Ab jetzt bist du auf dich …

Buch-Top5, 2019

Lesen, freuen, feiern: meine Buch-Top5!

So Leute, ihr seid wahrscheinlich schon längst damit beschäftigt, den Schampus kaltzustellen, das Paillettenkleid aufzuschütteln oder eure guten Vorsätze für 2020 an den Kühlschrank zu pinnen. Und ich sitze hier noch rum, gucke nach draußen und denke über Bücher nach, bevor die Welt sich wieder so schön weiterdreht und gute Freunde zum Feiern ins Haus spült. 2019 war ein turbulentes, gutes Jahr mit vielen kleinen Neuanfängen. 2020 kann ich das ausbauen, was ich angefangen habe, und ich freue mich riesig darauf. Aber welche Bücher haben es eigentlich so richtig gerockt, dieses Jahr? Hier sind meine ultimativen Top5! Die, die mich auch nach dem Zuklappen nicht mehr so schnell losgelassen haben. Die, die mich zum Lachen oder auch mal zum Heulen gebracht haben. Die mit den bildschönen Einbänden und den verrücktesten Einfällen. Ehrlich gesagt hätte meine Auswahl auch auf fünf andere fallen können, denn das Jahr war voll mit guten Geschichten. Ich wünsche dir einen super Start in die Zwanziger. Lass es krachen und tanze auf dem Zettel mit deinen guten Vorsätzen herum. Wir sehen uns, …

Noch alle Zeit, Alexander Häusser

Von Deichen und Fjorden und Träumen und Freiheit.

Können andere einen darum bringen, das eigene Leben zu leben? Können sie Träume aufhalten wie der Mond die Gezeiten aufhalten könnte? Oder ist man schlicht immer selbst schuld, wenn man sein Glück nicht gleich mit beiden Händen packt und dafür alles andere, alle anderen loslässt? NOCH ALLE ZEIT von Alexander Häusser erzählt anhand zweier Menschen, die sich rein zufällig begegnen, wie befreiend, steinig, traurig oder berührend es sein kann, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und so auch seine eigenen Konsequenzen zu erschaffen – und dass es allemal besser ist, mit diesen zu leben, als überhaupt nicht zu leben.  „Sie war krank. Eine Krankheit, für die es keinen Namen gab. Er nannte sie die Automatenkrankheit. Manchmal sprang sie an und funktionierte, als hätte man eine Münze eingeworfen. Und im Büro hatten sie wohl Kleingeld.“ Einer dieser Menschen ist Edvard, der nach dem Tod seiner Mutter vor vielen Fragen steht. Er hat sie nicht losgelassen, als der Vater damals wegging und starb. Als später das Glück vorbeikommt, hat Edvard schon alle Hände voll zu …

Das Geschichtsbuch

Schöner schlau werden.

Nur, damit wir das gleich am Anfang geklärt haben: Ich bin echt ziemlich doof. Ich meine jetzt nicht doof im Sinne von unsympathisch, sondern dieses armselige, peinliche Schuldoof. Mathe? Passables Grundschulniveau. Geographie? Ganz bitter. Geschichte? Kein Kommentar. Deshalb bin ich auch vor Freude förmlich hochgehüpft, als ich DAS GESCHICHTSBUCH aus dem Dorling Kindersley Verlag entdeckt habe: Endlich mal einer, der sich auf mein Niveau herunter bequemt und ein kurzweiliges Buch anbietet, bei dem man keine Knoten im Gehirn bekommt. Große Ereignisse, einfach erklärt. Das Buch macht genau das, was draufsteht und zwar ziemlich perfekt: Komplizierte Zusammenhänge werden endlich so dargestellt, dass man sie häppchenweise und ohne Vorkenntnisse inhalieren kann. Also kann man einfach mal in der Kaffeepause in die Französische Revolution reingucken oder nachlesen, was Cäsar so zu Fall gebracht hat. Toll finde ich, dass dabei die treibenden Ideen und Persönlichkeiten im Vordergrund stehen, nicht Jahreszahlen oder schnöde Details: Geschichtliche Strömungen werden anschaulich in einen Zusammenhang gesetzt, so dass man Weltbewegendes mit einem Blick versteht. Auch das Design: 1 plus mit Sternchen. Der kurzweilige Inhalt …

Gregs Tagebuch 14, Jeff Kinney

Emils Kids Tipp: Gregs Tagebuch 14, Voll daneben.

Das Buch wurde mir zugeschickt.* Ich habe mich total gefreut. Ich wollte es mir sowieso kaufen, aber jetzt muss ich das ja nicht mehr. Und jetzt kommen wir zum Buch: Gregs Tante stirbt. Zuerst kann er sich nicht an sie erinnern, denn Greg hat ziemlich viele Tanten – aber seine Mutter und sein kleiner Bruder erinnern sich. Dann fällt es ihm wieder ein: Es war die Tante, die immer böse Briefe geschickt hat, wenn man sich nicht für sein Geburtstagsgeld bedankte. Bald kommt dann die große Nachricht, dass Greg und seine Familie das ganze Geld der Tante erben. Greg und seine Familie überlegen, dass sie mit dem Geld das Haus renovieren könnten! Also holt Greg seinen Plan für sein Traumhaus. Früher wollte er immer in einer großen Villa leben, aber er dachte sich: Wenn er berühmt wäre, würden seine Fans alle wissen, wo er wohnt – und das wäre echt nervig. Also beschließt er, ein ganz kleines Haus zu bauen und die ganzen coolen Sachen unter der Erde zu bauen … Naja, ich will euch …