Alle Artikel in: Bücher

Der Wal und das Ende der Welt, John Ironmonger

Weltrettung mit Wal.

Manche Bücher gehen einem nicht mehr aus dem Kopf, weil ihre Story bzw. ihr „Was wäre, wenn …“ förmlich in einem weiterarbeitet. So ein Buch ist DER WAL UND DAS ENDE DER WELT: die wunderbare Geschichte eines Dorfes, das eines Tages einen Mann rettet, der eines Tages das Dorf rettet.  Zur Story: Der Analyst Joe wird bewusstlos an der Küste Cornwalls angespült, nachdem er nach einer überstürzten Flucht aus seinem Büro, seinem Leben und seinen Klamotten zunächst ins Meer und dann ins Fahrwasser eines Wals geraten ist. Schnell sind gleich mehrere Bewohner des idyllischen Fischerdörfchens St. Piran zur Stelle, um dem Fremden erste Hilfe zu leisten und ihn dann ohne viel Aufhebens ins Dorfleben zu integrieren. Schließlich ist er nun mal da, macht nicht gerade einen lebensmüden Eindruck und ist überdies ein ziemlich sympathischer Kerl.  Doch Joe umtreibt ein Geheimnis, das größer ist als die Geschicke des Dorfes.  Denn als Erfinder eines Programms, mit dem man globale Abwärtstrends vorhersehen und an der Börse zu Geld zu machen kann, weiß (nur) er, dass sich gerade eine weltweite …

Verschließ jede Tür, Riley Sager

Pageturner! Gruselhaus in New York City.

Es gibt Bücher, die kann man mal eben so weglesen. Das macht sie keinesfalls zu schlechten Büchern, ganz im Gegenteil. VERSCHLIESS JEDE TÜR ist so ein Buch. Beim Wegsuchten des gut gestrickten Thrillers kann man wunderbar abschalten, und das ist aktuell ja schon die halbe Miete. Die Story hat ein bisschen was von einer Netflix-Serie, denn sie macht von Anfang an total neugierig, dann plätschert sie streckenweise relativ vorhersehbar vor sich hin, und dann wird es auch noch mal so richtig spannend. Und eklig. Alles in allem ist das ein guter Mix für ein langes, verregnetes Wochenende, auch wenn der Thriller für meinen Geschmack noch gruseliger hätte ausfallen können.  Zur Handlung: Die junge Jules ist nicht gerade ein Glückskind und schlägt sich nach mehreren Schicksalsschlägen mehr schlecht als recht in New York durch. Als sie die Gelegenheit bekommt, im legendären Bartholomew Building an der wohlhabenden Upper West Side gegen viel Geld auf eine Wohnung aufzupassen, schlägt sie sofort ein. Allerdings hat das geheimnisumwitterte Herrenhaus, das direkt am Central Park gelegen ist, eine ziemlich dunkle Vergangenheit, …

Birthday Girl, Haruki Murakami

Von Wünschen und Werken.

Haruki Murakami. Jedes Buch, das ich von ihm kenne, war das Lieblingsbuch eines Freundes oder einer Freundin. Alle haben sie eine flammende Rede darüber gehalten. Keines habe ich zu Ende gelesen. BIRTHDAY GIRL ist der erste Murakami, den ich mir sozusagen aus freien Stücken gekauft habe. Nicht wegen des Murakamis, sondern wegen Kat Menschik, welche die neu aufgelegte und von Ursula Gräfe neu übersetzte Erzählung vierfarbig illustriert hat. Wenn ich mal reich und berühmt bin, kaufe ich mir außerdem noch eine dieser Ketten mit einem dieser Anhänger, die sie selbst illustriert. Und dann hauche ich jeden Abend den Anhänger an, poliere ihn und freu mich drüber. Soviel dazu. Auch BIRTHDAY GIRL spielt mit geheimen Wünschen: Eine Frau blickt zurück auf den Abend ihres Geburtstages vor etlichen Jahren. Diesen hat sie damals als junge Kellnerin in einem italienischen Restaurant verbracht. Als sie dem Besitzer das Essen in seinem Hotelzimmer servierte, bot der alte Mann ihr höflich an, sich mit der Erfüllung eines Wunsches erkenntlich zu zeigen. Sie habe aber lediglich diesen einen Wunsch frei, der sich …

Eisfuchs, Tanya Tagaq

Überleben im Eis.

Der Debütroman der Kehlkopfsängerin und Performerin Tanya Tagaq wird von der Kritik gefeiert und ist sicher auch ein ungewöhnliches Stück Literatur. Mich konnte er nicht so richtig mitnehmen, aber die Geschichte hinter der Geschichte hat mich beeindruckt. Ich sag dir hier auch gerne, warum.

Und andere Formen menschlichen Versagens, Lennardt Loß

Ironie des Schicksals, reloaded.

Manchmal passieren Sachen, die kann man sich ja so gar nicht ausdenken. „Das hätte man sich ja so gar nicht ausdenken können,“ sagt man dann später zueinander und bestellt sich noch ein Glas Weißwein. Es sei denn, man ist ein finnischer Filmregisseur. Oder Lennardt Loß, Braunschweiger, Preisträger, freier Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der bei Instagram neben einer Katze namens Jens sitzt. Sein Debütroman UND ANDERE FORMEN MENSCHLICHEN VERSAGENS ist mein neues Lieblingsbuch, und das nicht nur aufgrund des abgefahrenen Titels oder meiner laienhaften Begeisterung für Oktopoden. Sondern deswegen, weil das Buch sich liest, als hätte man die komprimierte Ironie des Schicksals mit ein paar verkrachten Existenzen verfilmt – und das finde ich zum Totlachen komisch. Zur Story: Ein Flugzeug stürzt über dem Pazifik ab, an Bord die 22-jährige Marina Palm, die ihren Vater in Brasilien besuchen wollte. Stattdessen treibt Marina jetzt aber auf Sitz 9A im Meer dahin, bis am Rande des Horizonts eine Insel auftaucht. Mit von der Partie ist der Zahntechniker Hannes, der eigentlich gar kein Zahntechniker ist und genau genommen auch …

Die trinkende Frau, Elisabeth Raether

Trinken, Tresen, Temperamente.

Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich unter fehlender Impulskontrolle leide. Das ist interessant, aber auch oft nervig, besonders für einen selber. Wenn man da jetzt noch Alkohol draufkippt, geraten die Dinge leicht aus den Fugen, daher bleibe ich lieber bei der Theorie: Elisabeth Raether hat mit ihrem Buch DIE TRINKENDE FRAU dem Alkohol ein Denkmal gesetzt, das ich hier sehr gerne weiterempfehle. Quasi als abstinenten Alkoholgenuss für die Handtasche. Das Buch besteht aus vielen intelligenten, amüsanten, bildschön von Jean Jullien illustrierten Beiträgen, die teilweise zwischen 2011 und 2016 im ZEIT-Magazin in der gleichnamigen Kult-Kolumne veröffentlicht wurden. Jeder dieser Beiträge ist eine Ode an einen Drink oder an eine Facette des Trinkens. Ich schätze, die Autorin spricht aus eigener Erfahrung, anders kann ich mir die Eleganz der Sprache nicht erklären. Sonderapplaus übrigens dafür, dass Frau Raether es schafft, von rudimentären Trinkgewohnheiten mit einem lässigen Schwenk des jeweiligen Glases zu feministischen Themen und dann wieder zu Berliner Sauftrends überzuleiten. Heute vergesse ich übrigens ganz oft zu trinken. Das heißt, ich nehme mir morgens schon vor, abends …

How to fail, Elisabeth Day

Verlieren ist das neue Gewinnen.

Elisabeth Day, mehrfach ausgezeichnete Journalistin, Bestsellerautorin und Host des bekannten Podcasts „How To Fail With Elisabeth Day“, ist überzeugt davon, dass alle entscheidenden Momente ihres Lebens aus einer Krise entstanden sind. Ein sehr ehrliches Buch über das Scheitern und darüber, warum wir auch mal unsere Niederlagen feiern sollten.