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Adieu Selbstzweifel. Salut Leichtigkeit!

Sophie Mas et al., How to be Parisian

Ich liebe dieses Buch. Ich möchte dieses Buch küssen und abends mit ins Bett nehmen, obwohl ich es schon zweimal gelesen habe. Weil es so schön durchgeknallt ist, sich nicht allzu ernst nimmt und sich irgendwo zwischen totaler Arroganz und offener Rebellion bewegt – eben genau so, wie die Pariserin selbst, die darin beschrieben wird.

In How to be Parisian, wherever you are zeichnen Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest ein Frauenbild, bei dem man nicht weiß, ob man vor ihm niederknien oder lieber schnell aus dem Weg springen möchte.

Interessant, eigenwillig, fast zwanghaft stilvoll und nicht gerade kompromissbereit. Wozu auch? Kompromisse sind ja auch ungefähr so französisch wie zu viele Accessoires oder Reue nach dem Fremdgehen.

Die Pariserin beschäftigt sich eben lieber mit den wichtigen Dingen und neigt ohnehin dazu, “die Welt mittels Blogs und Büchern mit ihren Lebensweisheiten zu überschwemmen“. So kommen konsequenterweise auch im Buch die Lebensweisheiten zuallererst, als praktische Liste „zum Vorsagen vor dem allabendlichen Schlafengehen, selbst wenn man betrunken ist.

„Hab keine Angst vorm Altwerden. Hab keine Angst vor gar nichts, außer vor dem Angsthaben selbst … Such dir etwas aus, was jeder mag – die Oper, Kätzchen, Erdbeeren – und verabscheue es … Geh sooft du kannst ins Theater, in Museen, Austellungen, Konzerte … Du spielst die Hauptrolle in deinem Leben…“

So wie das Sammelsurium an Weisheiten auf Seite 17 ist auch das ganze Buch ein ständiger Quell der Erheiterung, der fröhlichen Bestürzung oder Inspiration. Je nach Kapitel bekommt man Lust, sich nie wieder die Haare zu kämmen (French Style), alleine auf einer Parkbank zu sitzen oder Poulet au Citron für alle seine Freunde zu kochen (Rezept im Buch). Dabei wirkt alles ein bisschen wie Eiskunstlauf auf der Seine: wunderschön, absolut mühelos und beneidenswert selbstsicher.

Am Ende stellt man sich die Frage, warum man sich eigentlich je selbst in Frage gestellt hat.

Und dann geht man erhobenen Hauptes als Meisterin des eigenen Lebens mal wieder ins Theater. Man ist eben Parisian und nicht etwa sprunghaft, zu direkt, arrogant oder chaotisch. Und Theater – ganz gleich ob selbstinszeniert oder professionell – ist sowieso besser für den Teint als typisch deutsche Selbstzweifel.

Den lässigen Stil der Pariserin zieht das Buch übrigens von Anfang bis Ende so schön gnadenlos durch, dass mir dabei warm ums Herz wird. Auf Fotos wird geraucht statt selfiemäßig posiert, keiner hat versucht einen langweilig einheitlichen Stil durchzuboxen und die Kapitel schmiegen sich so spontan aneinander wie Bücher und Zeitschriften neben dem Bett. Wie formidable ist das denn. Hatte ich schon erwähnt, dass ich dieses Buch einfach liebe? Ich liebe es. C’est tout.

Titel: How to be Parisian wherever you are
Autorinnen: Anne Best, Audrey Diwan, Caroline de Maigret, Sophie Mas
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: btb Verlag
Deutsche Erstausgabe: 29. Juni 2015

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