Autor: Nina

Adieu Social, hallo Welt!

Adieu Social, Hallo Welt.

Kein Witz: Gestern Nacht liege ich wach im Bett und zähle aus purer Langeweile meine Social Media Seiten. Als ich bei sechs angelangt bin, reift in mir die Erkenntnis, dass Menschen wie ich niemals so viele Seiten brauchen und dass ich überdies nicht mehr alle Latten am Zaun habe. Gerade ich, die sich ständig beschwert, dass sie so viel zu tun hat. Sechsmal zehn Minuten sind schon eine Stunde, in der ich auch eine Fremdsprache oder Breakdance hätte lernen können. Oder einfach mal rumsitzen und in die Gegend starren. Xing und dieses andere hässliche Networking-Ding, dessen Name mir gerade nicht einfallen will, noch nicht mal mit eingerechnet. Vielleicht würde ich ohne Social Media gerade im Café sitzen und in perfektem Französisch ein Frühstück für zwei bestellen. Zuerst die Frage: Wie viel Social Media wär denn ok? Zwei Seiten vielleicht, denke ich. Zwei ist immer gut. Zwei ist nicht so einsam wie eins und nicht so übertrieben wie drei. Und dieses ganze Gerede, dass man als Blogger in allen Medien vertreten sein und Reichweite generieren sollte? …

Ich, Eleanor Oliphant, Gail Honeyman

Zurück ins Leben.

Eleanor führt ein tristes, klagloses Leben zwischen Bürojob und menschenleeren, Wodka-getränkten Wochenenden. Soziale Umgangsformen sind ihr weitestgehend fremd, und für Äußerlichkeiten hat sie nicht viel übrig – bis die junge Frau eines Tages die Liebe kennenlernt.

Diät & Gesunde Ernährung

Mal was Leichtes, oder: mein Ernährungswahnsinn.

Albert Einsteins Definition von Wahnsinn war es, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Tja, seufze ich beim Blick auf den Stapel der Ernährungs- und Diätbücher, die ich besitze. Manche sehen besser aus als ich im Bikini. Und selbstverständlich kenne ich zu jedem Buch auch mindestens eine Erfolgsgeschichte – es ist nur nicht meine eigene. Denn ganz ehrlich: Im Gewichtverlieren bin ich der totale Looser. Früher war das alles kein Problem, mit dem Stress in der Agentur und so … und dann gingen diese scheiß hartnäckigen fünf Kilo einfach nicht mehr weg. Ja, fünf Kilo, wie süß, ich weiß. Jetzt habe ich zusätzlich noch 5 Kilo Bücher. 5 Kilo Rosen wären irgendwie netter, denke ich. Die würden auch nicht so aus meinen Hüfthosen rausquellen. Es gibt diese Momente, da weißt du einfach, dass du abnehmen willst. Wenn Sätze über deine Figur auf einmal mit „Für dein Alter“ anfangen.Wenn du deine Hüfthosen nicht nur verschenken, sondern verbrennen möchtest.Wenn dein Lächeln in einer H&M-Umkleide noch verzerrter ist als der Spiegel.Wenn du bei Facebook Bauchweg-Hosen angeboten …

Eine Legende auf der Couch.

Das Einzige, was ich jemals bei eBay ersteigert habe, war ein 5er-Posterset der Beatles aus dem Jahre 1967, das ich zufällig in einer Doku gesehen hatte. Die psychedelisch anmutenden Portraits plus Gruppenfoto von Starfotograf Richard Avedon wurden damals als Zugabe zum deutschen Stern produziert. Nun hängen John, Paul, George & Ringo seit Jahren bei uns im Wohnzimmer rum, und trotzdem habe ich mich nie näher mit ihnen beschäftigt. Jemand zu lieben heißt ja auch nicht unbedingt, ein Experte zu sein.  Lennon von David Foenkinos ist mir ebenso zufällig in einem Buchladen begegnet, und ich habe echt keine Ahnung, warum ich es mitgenommen habe. Die Story klang gut, und im Nachhinein bin ich total froh über diese geniale Zufallsbegegnung. Zum Roman: Mit 35 Jahren hatte John Lennon bereits eine sensationelle Karriere hinter sich. 1975 lebte er zurückgezogen mit Frau und Kind in New York und brachte fünf Jahre lang kein neues Album heraus. Der bekennende Lennon-Fan Foenkinos setzt die Beatles-Legende kurzerhand auf die Couch und lässt sie in mehreren fiktiven Therapiesitzungen von 1975-80 über ihr Leben …

Der Pfau, Isabel Bogdan

Very british & vergnüglich.

Manchmal sieht man eben rot, und dann nützt einem auch die adlige Herkunft nichts mehr: In Isabel Bogdans „Der Pfau“ schlägt ein stolzes Federvieh aus der Art und bringt damit eine Komödie in Gang, die einen ganz zauberhaften britischen Humor versprüht. Zur Story: Auf dem charmant verfallenen schottischen Landsitz von Lord und Lady McIntosh kündigt sich eine Gruppe Londoner Investmentbanker an, die dort ein Teamcoaching-Wochenende abhalten will. Die Vorbereitungen laufen gut, bis Hausfee Aileen sich den Arm bricht und einer der ansonsten eher majestätischen Pfauen wiederholt bei der Farbe Blau austickt. „Im Oktober zerfetze der Pfau eine blaue Mülltüte und verteilte ihren Inhalt großräumig über den Rasen, er nahm einem Gastkind ein blaues Spielzeug weg und verschleppte es in den Wald, … und er zerdepperte unter beträchtlichem Getöse die Dekokugel aus blauer Keramik, die Fiona neben den Teich gelegt hatte …“ Ein Pfau ist doch ein Pfau und kein Problem, denken die McIntoshs anfangs noch, bis die dauergestresste Chefin der Privatbank-Abteilung im metallic-blauen Sportwagen vorfährt, im Schlepptau ein latent unwilliges Team, eine überforderte Coaching-Assistentin und …

Blogroll

Blogs, die glücklich machen. So abonnierst du sie.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich angefangen habe Blogs zu lesen. Hört sich komisch an, aber da draußen gibt es so viele davon, dass ich erst mal wie im Modekaufhaus durch die Gegend geirrt bin, bis irgendwas wirklich gepasst hat. Jetzt habe ich ein paar Lieblingsblogs, die mehr oder weniger fest zu meinem Alltag gehören. Meistens lese ich sie, wenn ich irgendwo rumstehe und warte (kurioserweise oft), wenn andere Menschen Zeitung lesen oder ich einfach nur vergessen habe, ein Buch einzustecken (weniger oft). Unterm Strich komme ich so auf mehrere Artikel die Woche. Klar lese ich auch Buchblogs. Und natürlich kommen immer mal wieder neue Blogs hinzu. Zwischen den Zeilen findest du meine Favoriten: Draußen nur Kännchen  This is Jane Wayne Büchermonster Grundsätzlich lese ich Blogs auf dem Handy. Aktuell nutze ich dazu den Feed Reader Feedly. Feed Reader sind quasi sowas wie Follow-Buttons für Blogs und bieten dir den Vorteil, dass du alle aktuellen Artikel deiner Lieblingsblogs quasi als Newsfeed ausgespielt bekommst. Feedly bietet einen kleinen Button an, den man oben in der …

Dein Ende, Chris Brookmyre

Ende gut, alle tot.

Es gibt Thriller, die liest man mal so nebenher. Und dann gibt es Thriller, die jagen einem noch Jahre später diesen guten, einmaligen Schauer über den Rücken. In die zweite Kategorie fallen für mich Friedhof der Kuscheltiere oder Christine von Stephen King. Ich brauche die Bücher nur in die Hand zu nehmen und verspüre diesen leichten Sog, den nur ein Stephen King auslösen kann. Dein Ende von Chris Brookmyre allerdings gehört für mich klar in Kategorie eins. Ich hab’s gelesen, und es hat mich zeitweise gepackt. Aber ich werde mich nicht jahrelang dran erinnern. Dabei legt der gefeierte Psychokrimi aus Schottland eigentlich eine intelligente Geschichte vor, die mir allerdings an einigen Stellen zu stereotyp und konstruiert daherkommt. Zur Story: Die äußerlich eiskalte Chirurgin Diana Jager rechnet ihn ihrem erfolgreichen Medizinblog mit ihren männlichen Kollegen und anderen sich selbst überschätzenden Subjekten ihrer Branche ab. Bis sie sich mit den falschen Leuten anlegt. Jahre später lernt sie Peter Elphinstone kennen und taut zum ersten Mal wieder auf. Doch als bald nach ihrer Blitzhochzeit das Auto des lebenslustigen …

Insta

Instagram. Von Liebe und Zeit.

Seit ich den Blog hab, lese ich seltener Bücher. Zugegeben, eine ganze Menge meiner Zeit geht für Instagram drauf, und manchmal ärgere ich mich darüber. Nicht zuletzt, weil Insta mir vor Augen führt, was ich alles nicht kann. Fotos machen zum Beispiel. Ehrlich gesagt bewegen sich meine Skills im Fotografieren ungefähr auf dem Level meiner Kochkünste: Mit viel Konzentration krieg ich eine anständige Bolognese hin. Fotos für Instagram zu machen ist demnach für mich, als würde ich permanent Menschen zu mir nach Hause zum Essen einladen und sie bitten, Likes zu hinterlassen. Alle sind voll nett, und man wird nie erfahren, warum einige nie wiederkommen. Oh Gott, die haben sich bestimmt den ganzen Abend gelangweilt, und außerdem hatten die gestern schon Italienisch. Und schon sitzt man geknickt in der Sofaecke rum und stellt die komplette Zeit, die man davor in der Küche gestanden hat, ordentlich in Frage.  Klar geht es bei einem Buchblog in erster Linie um Inhalte, aber ich freu mich ja selbst, wenn mein Feed schön aussieht und was hermacht. Zwischendurch, aus purem …

Die Schneiderin und der Wind, César Aira

Stürmische Geschichte!

Oha, denke ich am Anfang, ein Vorwort. Ich hasse Vorworte. Vorworte sind sozusagen der Sonntagsbrunch unter den Bucheinstiegen: Man steht wortlos mit seinem schalen Prosecco in der Ecke rum, hört der belanglosen Konversation anderer Mitvierziger zu und fragt sich, wann die Party eigentlich losgeht. Ab Seite zwanzig merke ich, dass das Vorwort gar kein Vorwort war, sondern dass ich schon mittendrin bin in einer wahrhaft irren literarischen Verfolgungsjagd. Die Schneiderin und der Wind von César Aira ist ein auf unter 150 Seiten komprimiertes Werk, das sich liest, als würde man jemandem beim freien Assoziieren zuhören. Größtenteils macht das auch richtig Bock, auch wenn ich des Öfteren schlicht den Faden verliere. Zusammenfassend geht es um eine Schneiderin ohne Geschmack, aber mit viel Sinn fürs Detail, welche die Verfolgung ihres verschwundenen Sohnes aufnimmt, den sie in Patagonien wähnt. Im Gepäck hat sie ein widerspenstiges Brautkleid, und auf dem Weg lernt sie einen Wirbelwind kennen, der ihr bald darauf seine Liebe gesteht.  Mehr zur Handlung zu sagen ist schwierig bis unmöglich. Denn sie ist quasi nur eine Skizze …

Palm Beach, Finland, Antti Tuomainen

Coole Strandlektüre.

Leute, ich hab mir ja Finnland immer dunkel vorgestellt. Dunkle Bäume, dunkles Wasser und in der Weite ein paar dunkle Seelen, die in karierten Flanellhemden mit Fellmützen und trotzigen Gesichtern sehr starken Alkohol trinken. Letztes Jahr im Sommer sind mir in Helsinki dann zwei Dinge klargeworden. 1. Dass ich selten mit irgendetwas so dermaßen falsch gelegen habe. 2. Dass Helsinki so ziemlich das hellste und wunderbarste Fleckchen Erde und Wasser ist, das es gibt. Eigentlich will ich dort tausend Jahre lang in einem Boot sitzen, von einer Insel zur anderen fahren und zwischendurch Lachssuppe am Hafen essen.  Aber vorher sag ich vielleicht noch kurz was zu Antti Tuomainens Roman: Der Investor Jorma Leivo hat eine Schwäche für Baywatch, Miami Vice und alles andere, was mit halbseidenen Sachen und knappen Badeanzügen zu tun hat. Daher tauft er das neu erworbene finnische Kähärä-Urlaubsressort auch kurzerhand in „Palm Beach, Finland“ um. Neonfarben, Plastikpalmen und Surfbretter tun ihr Übriges, und wen kümmert da schon das kleine Detail, dass es am „hottest beach in Finland“ eher konstant kühl bleibt?  Leivo …