Autor: Nina

Lieblingsbücher, eine Auswahl

Die Lieblingsbuch-Lüge.

Letztens vor hundert Jahren haben mein Kollege Jens und ich nach Ewigkeiten im gleichen Büro festgestellt, dass wir das gleiche Lieblingsbuch haben. Seitdem sind wir in meinem Herzen quasi im gleichen Club, nämlich im „Straße-der-Ölsardinen-coole-Leute-Club“. Das Buch habe ich mal von meinem Vater geerbt, als der noch längst nicht gestorben war, und selbst damals fiel es schon ziemlich auseinander. Es riecht, wie ein altes Buch eben riechen muss – irgendwas zwischen nassem Hund und muffiger Bibliothekarin. Die Buchseiten sind so gelblich, als hätte ein Farbenblinder sie mit einem Insta-Retro-Filter bearbeitet. Trotzdem wird es geliebt, allein schon wegen seiner inneren Werte. Von mir. Und anscheinend ja auch von Jens und noch ein paar anderen Leuten.  Nur: Ehrlich gesagt habe ich Die Straße der Ölsardinen seit Jahren nicht mehr gelesen. Genau wie alle anderen Lieblingsbücher, die in meinem Herzen im besagten Club im Regal rumstehen. „Oh, das ist mein Lieblingsbuch“, sage ich auf einer Party/in der Kaffeeküche/in der Konzertpause/im Restaurant. Und ich meine je nach Tagesform Wassermusik/Moon over Manhattan/Fänger im Roggen oder den Kleinen Dämonenberater. Oder eben …

Washington Black, Esi Edugyan

Suche nach Freiheit.

Angst. Die ersten 80 Seiten umtreibt mich schlicht die Angst, denn Grausamkeit und Willkür bestimmen nahezu körperlich spürbar das Leben des elfjährigen Sklavenjungen Washington Black auf Barbados im Jahre 1830. Er ist Feldsklave auf einer Zuckerrohr-Plantage in den britischen Kolonien, wo man immer mehr afrikanische Sklaven unter härtesten Bedingungen heranschafft, um den steigenden Zuckerkonsum der reichen Oberschicht im Britischen Empire zu decken.  Die Plantagenbesitzer haben die Macht über alles und jeden auf der Insel, und nach dem Ableben des alten Masters stellt sich der neue als das personifizierte Böse heraus: Erasmus Wilde, so blass und weiß, dass er fast durchscheinend wirkt und so unglaublich grausam, dass man mit dem Schlimmsten rechnet, sobald er auf den Plan kommt. Wash, wie George Washington Black gerufen wird, ist mittendrin, nur leidlich geschützt von der mütterlichen Sklavin Big Kit. Und so überträgt sich sein Gefühl, jede Sekunde wachsam bleiben zu müssen, und wird erst allmählich erträglicher, als des Masters Bruder die Plantage besucht:  Christopher Wilde, seit Kindertagen Titch genannt, verkörpert als Entdecker und Erfinder den Freigeist eines Alexander von …

Die Verwandlung, Franz Kafka

Die Mutter aller Montage.

Gregor Samsa goes Graphic Novel: In Franz Kafkas „Die Verwandlung“ wacht der bekannteste Handlungsreisende der Weltliteratur eines Morgens als Schabe auf. Hier grandios umgesetzt mit düsteren, monochromen Illustrationen und Weltklasse-Szenen, die dem Klassiker von 1915 neues, cooles Leben einhauchen.

Gabrielle Zevin, Das Verhältnis

Eine unendliche Affäre.

Ein intelligenter und teils geradezu witziger Roman über falsche Entscheidungen, Doppelmoral und die Unerbittlichkeit moderner Medien: In Gabrielle Zevins Roman „Das Verhältnis“, beginnt die Praktikantin Aviva ein Verhältnis mit einem signifikant älteren, charismatischen Kongressabgeordneten und wird über Nacht „Floridas Antwort auf Monica Lewinsky.“