Autor: Nina

Wo du nicht bist, Anke Gebert

Die Liebe als Leitstern in dunkelsten Zeiten.

Wahnsinns-Roman aus dem Hause Pendragon nach einer wahren Begebenheit: Die KaDeWe-Verkäuferin Irma Weckmüller verliebt sich 1929 in den jüdischen Arzt Erich Bragenheim. Als die Nazis an die Macht kommen, stirbt nicht nur ihre Hoffnung auf eine baldige Hochzeit. Aber Irma gibt nicht auf …

Vom Winde verweht, Margaret Mitchell

Verlieben für Fortgeschrittene.

Ich lese selten Liebesromane, und vielleicht mag das die eine oder andere sehnsuchtsvolle Seele hier enttäuschen. Ich kann nicht einmal so richtig sagen, woran das liegt, denn schließlich gehöre ich zu den Menschen, die sich auf jedwede brasilianische Telenovela mit vorhersehbarem Happy End stürzen. Bei Büchern ist das anders. Mit den Jahren, die ich lesend verbringe, sind die Kriterien vielleicht härter geworden und die Messlatte höher. Oder es ist schlicht die Tatsache, dass nach DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER CHOLERA nicht mehr viel kommt. Zwei Liebesromane stehen bei mir im Regal, und jetzt, wo ich das hier aufschreibe, bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob man sie überhaupt als solche degradieren sollte. Der eine ist VOM WINDE VERWEHT. Ich weiß noch, wie ich ihn in meiner Studienzeit, auf einem Liegestuhl in Florida gegen die Sonne ankämpfend, förmlich verschlungen habe, während mein damaliger Freund mir ständig in den Ohren lag, ich solle doch lieber etwas mit ihm unternehmen. Ich war taub für seine Vorschläge, war ich doch in eine so viel größere Geschichte …

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden, Genki Kawamura

Charmante Erzählung über das, was zählt.

Es gibt zu viele Sachen. Überall liegen sie herum. Manchmal fragt man sich, wie sie eigentlich alle dorthin gekommen sind, wo sie jetzt sind – und wer um alles in der Welt gesagt hat, dass wir sie wirklich brauchen. WENN man dann mal eine Sache wirklich braucht, ist sie oft unter so vielen anderen Sachen begraben, dass man sie nicht mehr findet. Selbst verloren gehen einem Sachen noch auf die Nerven.   Wie wäre es wohl, wenn alle diese Sachen verschwänden? Oder besser: die, die uns allen den Blick auf das Wichtige versperren, auf das Leben oder auf uns selbst? Das wäre ein ziemlich guter Deal. Nur leider ist dies nicht wirklich der Deal, den der junge Briefträger in Genki Kawamuras zauberhaftem Buch WENN ALLE KATZEN VON DER WELT VERSCHWÄNDEN mit dem Teufel macht. Ein Teufel im Hawaii-Hemd. Als ein japanischer Briefträger mit Dreißig erfährt, dass er nicht mehr lange zu leben hat, lässt er sich auf einen ungewöhnlichen Pakt mit dem Teufel ein: Für jeden geschenkten Tag, den der Briefträger länger leben kann, darf …

Leseclubfestival Köln

Mein Lesejanuar: Leseclubfestival Köln!

Ende Januar habe ich das erste Leseclubfestival Kölns besucht! Und ich bin jetzt hier mal offiziell und vollumfänglich begeistert, dass Menschen sich sowas Geniales ausdenken. Die Idee kommt von Tilman Strasser und Dorian Steinhoff von strass & stein, dem Label für Literaturvermittlung. Das Prinzip ist schnell erklärt: 4 AutorInnen, 4 Bücher, 4 Locations! Stell dir vor, du stehst auf einer Party, und alle haben das gleiche Buch gelesen wie du. So ungefähr kann man das Leseclubfestival-Gefühl beschreiben. Denn hier treffen sich an einem Samstagabend je 20 Menschen an vier unterschiedlichen Orten, um zeitgleich über vier Bücher zu sprechen. Mit dabei sind die AutorInnen sowie ModeratorInnen, die durch den Abend führen. Das Buch, das man bespricht, ist praktischerweise direkt im Ticketpreis enthalten: Ich hatte mich im Dezember für DAS MUSEUM DER WELT von Christopher Kloeble entschieden, das mir ein paar Tage nach dem Ticketkauf zugeschickt wurde. Auch wenn der Abenteuerroman, der Ende Februar im dtv Verlag erscheint, ein kleiner Wälzer ist, hatte ich also genug Zeit, um ihn entspannt zu lesen. Die volle Leseclub-Auswahl: Abenteuer, Krimi, …

Lagerfeld your Life, Anna Basener

Die Leichtigkeit des Karlseins.

Nein, ich habe nicht Rotz und Wasser geheult, als Karl Lagerfeld im Februar 2019 gestorben ist. Ich bin mehr der Oh-Schreck-Freddy-Mercury-ist-tot-Typ. Nichtsdestotrotz hat die Welt mit Karl jemanden verloren, der die Kunst beherrschte, kreativ, impulsiv und ein Vorbild zugleich zu sein. Warhol war nie so klar im Kopf. Kinski konnte sich nicht benehmen. Hemingway hatte ständig einen Kater. Aber Lagerfeld hatte sich im Griff und war trotzdem herrlich inkonsequent. Davon abgesehen muss ich bei ihm immer an meine Freundin Katja denken, die zu Karneval mal als Lagerfeld gegangen ist, während ihr Freund Lutz Choupette war. Danach kommt nicht mehr viel, so rein style- und humortechnisch, wenn ihr mich fragt. Als ich gelesen habe, dass Anna Basener ein Buch über Lagerfeld schreibt, war es mir daher ziemlich egal, dass Karl nicht Freddy und mein Buchblog kein Styleblog ist*. Denn Frau Basener hat eine ähnliche Gabe wie Herr Lagerfeld: Sie haut Sätze raus, die ich mir am liebsten sofort auf ein Kissen sticken würde. Gute Kombination also, eine modeverliebte Schreiberin und ein Modezar, neben dem selbst Vertreter …

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

Wenn es Nacht wird in Köln.

„Das wird nicht in deinen Buchblog passen,“ schreibt Steff und möchte mir trotzdem ein Buch schicken. Als es ankommt, geht es mir ein bisschen wie an meinem ersten Tag in Köln: Ich wandere glücklich durch die Buchseiten wie durch die schwül-warmen Straßen am ersten Juli 2001, am Barbarossaplatz wird es langsam dunkel, und überall sind Menschen, zwischen Kyffhäuser und Zülpicher, lachend und schwatzend und scherzend und trinkend und manchmal auch schon deutlich schwankend. Und natürlich ist NACHTS NICHT WEIT VON WO von Peter Rosenthal (Herausgeber), Stefan Flach (Designer) und Michael Weißmann (Fotograf) ein Buch für meinen Blog, weil es ein ähnlich gutes, authentisches Erlebnis ist wie ebendieser Marsch durch die damals noch neuen Straßen. Das Buch ist matt und dunkel wie Stadt-Asphalt, kurz bevor der Regen drauffällt und das ganze Konfetti wieder zu matschiger Großstadtpampe macht. Die Beiträge sind von mehr als 15 Autoren und 11 Fotografen aus Köln-Ehrenfeld und dem Rest der Welt. Hier folgen Gedichte auf Songs, Kurztexte auf Zitate, Erzählungen auf Fragmente, Dunkelheit auf Abschied, Erinnerungen auf Morgengrauen – alles zusammengetragen und fotografisch in Köln Ehrenfeld angesiedelt, aber doch …

Edgar Rai, Im Licht der Zeit

Kopfkino mit Marlene.

Volià, die Zwanzigerjahre sind da. In den letzten Zwanzigern hätten wir jetzt das erste „Funkspiel“ im Radio angehört. Heute begleiten uns Hörbücher, Podcasts oder Hörspiele nahezu überallhin. Rund acht Millionen von uns hören täglich*, und es gibt Zeiten, da bin ich eine von ihnen. Gerade in der letzten Woche hat mir ein Hörbuch wieder das Leben gerettet, als meine Familie stressig, krank, chaotisch und alles das war, was Familien sein können, wenn sie nicht gerade ganz entzückend sind. Das Buch sprüht vor Witz und Zeitgeschichte – vielleicht hörst du ja auch mal rein.   IM LICHT DER ZEIT von Edgar Rai Willkommen in den Goldenen Zwanzigern, als der Stummfilm den Heldentod stirbt und der deutsche Tonfilm geboren wird: DER BLAUE ENGEL macht das bislang als völlig talentfrei geltende Revuemädchen Marlene Dietrich über Nacht unsterblich. Der Film, in dem sie als Varietésängerin Lola Lola einen gestandenen Professor zugrunde richtet, ist heute noch Kult. Der Roman des Wahlberliners Edgar Rai ist auch als Hörbuch erste Klasse. „Diese Beine werden es wohl noch mal weit bringen.“ (Marlenes Tante …

Melanie Raabe, Die Wälder

Vier Freunde und der böse Wolf.

„Der Anruf brachte alles zurück. Das Dorf und die Wälder. Das röteste Rot und das schwärzeste Schwarz.“ In ihrem neuen Thriller DIE WÄLDER bringt Melanie Raabe die Medizinerin Nina an die dunkelsten Abgründe ihrer Kindheit zurück: Ein Mädchen ist vor Jahren im Wald verschwunden. Keiner will es gesehen haben. Nur vier Kinder kommen der Wahrheit gefährlich nahe … Zur Story: Als Nina vom plötzlichen Tod ihres Schulfreundes Tim erfährt, ist sie völlig außer sich. Zumal Tim noch kurz vor seinem Ableben versucht hat, Nina zu erreichen. Hat er endlich das letzte Puzzleteil gefunden, um das Verschwinden seiner Schwester Gloria in seiner Kindheit aufzuklären? Dann trudelt auch noch einen Brief von Tim mit genauen Anweisungen ein, und Nina fackelt nicht lange: Sie macht sich auf den Weg in ihr Heimatdorf mitten im Wald, um an Tims Stelle die Wahrheit über Gloria herauszufinden – ausgerechnet mit dem Mann, den sie seit Kindertagen fürchtet. „Die Wälder, das bedeutet: kein Zurück mehr. Keine anderen Menschen mehr. Kein Handyempfang mehr. Die Wälder, das bedeutet: Ab jetzt bist du auf dich …