Autor: Nina

The Doll Factory, Elisabeth Macneal

Kunst & Besessenheit im viktorianischen London.

Historischer Roman, Thriller, Liebesgeschichte und ein Hauch von Feminismus: Elizabeth Macneals THE DOLL FACTORY lässt sich keinem Genre so richtig zuordnen und überzeugt doch in allen. Die in London lebende Autorin legt mit ihrem Debütroman einen spannenden Mix vor, der bereits in der ersten Woche nach seinem Erscheinen auf Platz 1 der britischen Bestsellerliste kletterte. In Deutschland wird der Erfolg bestimmt auch nicht lange auf sich warten lassen. Zu gut ist die Kulisse, die Story und die Verquickung von echtem Zeitgeschehen mit fiktiven Schicksalen. London, 1850. Die ganze Stadt macht sich bereit für die erste Weltausstellung der Geschichte. Im Hyde Park können Flanierende bereits die Umrisse des imposanten Kristallpalastes bewundern, in dem bald tausende Exponate ausgestellt werden – darunter auch der erste Telegraf und moderne Werke aufstrebender Künstler. Die Welt von Iris Whittle hingegen ist klein und trist. Gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Rose schuftet sie in einer Manufaktur für Puppen, deren Gesichter sie mit makellosen Zügen ausstattet. Doch im Verborgenen lebt die junge Frau ihren Traum vom Künstler-Dasein und steht sich selbst Modell, während der …

Abgeschlagen, Michael Tsokos

Let me go wild like a Rechtsmediziner.

Meine Schwester und mich verbindet vieles, beispielsweise ein extrem ähnlicher Tonfall am Telefon, ein paar Songs der Band Violent Femmes und die Liebe zu zerstückelten, auf dem Sektionstisch aufgebahrten Leichen. Dieses Buch ist daher top für uns beide: ABGESCHLAGEN, ein intelligenter True Crime Thriller von Rechtsmediziner und Bestseller-Autor Michael Tsokos, der als Mann vom Fach weiß, wie man eine Machete so einsetzt, dass sie auch wirklich hängenbleibt.  Die Story: Schlag auf Schlag spannend. Paul Herzfeld ist aufstrebender Rechtsmediziner am Kieler Institut und kann die Dinge nicht nur mal gut sein lassen: Er muss ihnen auf den Grund gehen, wie etwa im Fall des Gewaltverbrechers Achim Wittfeld, der vor mehr als drei Jahren eine junge Frau mit einer Machete schwer entstellt hat, um ihr Flügel zu verleihen. Jetzt liegt der Flügelmacher samt einer weiteren, zerstückelten Frauenleiche auf Herzfelds Sektionstisch, und der Sensationsfall von damals wird wieder aufgerollt.     Herzfelds berufliche Antennen schlagen an, als sich sein Vorgesetzter Prof. Schneider ungewohnt schnell auf eine Machete als Tatwaffe festlegt. Denn Schneider, ein gefühlskalter Meister seines Fachs, scheint mehr an einer medienwirksamen …

Pique Dame, Alexander Puschkin

Das Glück liegt in den Karten: coolest Klassiker!

Wenn man so wenig von Literatur versteht wie ich, dann rennt man oft aus Versehen in sie hinein. Letztens erst passiert, im Siebten Himmel, mitten in Köln: In der Auslage direkt hinterm Fenster stand das schönste Buch der Welt. Dass es auch ein Puschkin war, habe ich erst zu Hause so richtig realisiert.  Erstmal für die anderen Banausen:  Alexander Sergejewitsch Puschkin, geboren am 26. Mai 1799 in Moskau, ist dieser heldenhafte Nationaldichter, der mit seinen Werken die moderne russische Literatur begründet hat. Normalerweise fasse ich Bücher von so einem Kaliber gar nicht erst an, aus Angst mich zu blamieren. Außerdem hasse ich fast durchsichtige Buchseiten und antike Formulierungen, die sich gegenseitig auf den Füßen rumstehen. Aber dieses Buch hier ist anders. Bunt. Schön. Witzig. Abgründig. Böse. Amüsant. Du solltest es lesen. Und ab und zu seufzen. Das setzt dann Puschkins morbider Romantik irgendwie noch die Fellmütze auf.  Das Schicksal als Glücksspiel: Pique Dame! Die Pique Dame (1834) ist die Mutter aller Kurzgeschichten der russischen Literatur. Sie erzählt von einem jungen Offizier, der beim Kartenspiel gewinnen will, …

Bücher & Musik: zwei Gute-Laune-Listen für schwierige Zeiten.

„Dann haben wir alle endlich mal Familienzeit“ sagte eine Freundin letztens zu mir. Nur: Familienzeit + Existenzängste sind keine besonders gute Kombination. Mein Mann und ich, ein Profi-Bassist und eine Werbetexterin, lieben unser kreatives Leben. Aber aktuell sind wir schon ein bisschen fassungslos, wie arg unsere und die Lebensgrundlage vieler kreativer Freunde von Corona dezimiert wird. Selbstverständlich kann man als Kreativer keinen Virus in die Flucht schlagen, aber man kann sich gegenseitig unterstützen: Kauft Bücher, gerade von kleineren Verlagen! Und kauft Musik abseits der Charts, denn so viele wunderbare Menschen leben davon! Hier zwei Listen von uns an euch. Denn gute Geschichten haben kein Verfallsdatum. Und mit der richtigen Musik auf den Ohren sieht sowieso alles besser aus. Kauft Bücher! Meine Leseliste. Ihr wollt nicht raus? Mit eurem Buchkauf bei genialokal.de unterstützt ihr den stationären Buchhandel auch von zu Hause. Ohne Nachteile für euch. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um dorthin zu wechseln. Allegro Pastell Abgeschlagen Das Fortschreiten der Nacht Eisfuchs Und andere Formen menschlichen Versagens Das Neinhorn Cold Water Inniger Schiffbruch Der große böse …

Older, but better, but older, Sophie Mas, Caroline de Maigret

Nett, aber nicht better: Ewachsenwerden à la Parisian.

Heute ist mein 49. Geburtstag, und wenn ich mir noch eine Sache wünschen würde, dann wäre das eine Zigarette. Nicht, dass ich sie mir nicht leisten könnte, aber wenn man mit den Jahren etwas verliert, dann ist es dieses magische Gefühl der Unsterblichkeit. Und daher vermisse ich sie, die Zigarette. Mon dieu, habe ich gerne geraucht, pardon, aber das war toll, und ich sah gut dabei aus. C’est la vie ab 40.   Auch die Autorinnen von OLDER BUT BETTER BUT OLDER haben offensichtlich das Rauchen aufgegeben. Überhaupt sind aus den herrlich impulsiven, nichtperfekten Frauen meines geliebten HOW TO BE PARISIAN, WHEREVER YOU ARE zwar gesündere, aber auch blassere Zweiflerinnen geworden. Selbstverständlich sind wir uns in vielen Dingen einig; ab 45 verdient man gegenseitigen Respekt. Ich bin zum Beispiel auch nicht mehr gerne ultralang auf Partys. Aber ein Haufen sympathischer Endvierziger, der sich gegen halb eins die Strickjacken vom Leib reißt, ist auch einfach nicht mehr das Gleiche. Früher waren da Körperlichkeit, Rauch und Gefahr. Heute gibt es Weißweinschorle, Sicherheit und nette Gespräche. Diese Entwicklung …

Die Bullet Journal Methode, Ryder Carrol

Nicht ohne mein Bullet Journal: Wie ich gelernt habe, mich besser zu organisieren.

Mein Leben wurde bis vor kurzem dürftig zusammengehalten von Zetteln und To Do-Listen. #mentalload nennt man das, wenn du dir am liebsten ein Wegen-Überfüllung-geschlossen-Schild vors Hirn hängen würdest. Bei mir kam noch dazu, dass ich nicht gerade ordentlich bin, also hatte ich am Ende einen digitalen Familienkalender, über 70 digitale Notizen im Handy, eine Kladde für die Zettel der Kinder, weitere lose Zettel (im ganzen Haus verteilt) und mindestens drei oder vier Notizbücher (in meinen Handtaschen, also für immer verloren). Trotzdem war ich ständig in Sorge, irgend etwas zu vergessen. Auch die Sucherei nach Notizen wurde immer aufwändiger. Hatte ich mir dies oder das überhaupt notiert? Und wenn ja, wo? Letztes Jahr sah ich dann das Bullet Journal meiner Schwester. Und tat, was ich immer tat: Ich bestellte ein Buch. Deine externe Festplatte fürs Hirn. Die Bullet Journal Methode von Ryder Carroll ist eine einfache Methode, einen handschriftlichen Kalender zu führen, der gleichzeitig ein Allround-Notizbuch, ein Ziele- oder Projektplaner, dein Tagebuch oder eben das sein kann, was du daraus machst. Hört sich nach Aufwand an, …