Monate: Januar 2020

Lagerfeld your Life, Anna Basener

Die Leichtigkeit des Karlseins.

Nein, ich habe nicht Rotz und Wasser geheult, als Karl Lagerfeld im Februar 2019 gestorben ist. Ich bin mehr der Oh-Schreck-Freddy-Mercury-ist-tot-Typ. Nichtsdestotrotz hat die Welt mit Karl jemanden verloren, der die Kunst beherrschte, kreativ, impulsiv und ein Vorbild zugleich zu sein. Warhol war nie so klar im Kopf. Kinski konnte sich nicht benehmen. Hemingway hatte ständig einen Kater. Aber Lagerfeld hatte sich im Griff und war trotzdem herrlich inkonsequent. Davon abgesehen muss ich bei ihm immer an meine Freundin Katja denken, die zu Karneval mal als Lagerfeld gegangen ist, während ihr Freund Lutz Choupette war. Danach kommt nicht mehr viel, so rein style- und humortechnisch, wenn ihr mich fragt. Als ich gelesen habe, dass Anna Basener ein Buch über Lagerfeld schreibt, war es mir daher ziemlich egal, dass Karl nicht Freddy und mein Buchblog kein Styleblog ist*. Denn Frau Basener hat eine ähnliche Gabe wie Herr Lagerfeld: Sie haut Sätze raus, die ich mir am liebsten sofort auf ein Kissen sticken würde. Gute Kombination also, eine modeverliebte Schreiberin und ein Modezar, neben dem selbst Vertreter …

Nachts nicht weit von wo, Weissmann Verlag

Wenn es Nacht wird in Köln.

„Das wird nicht in deinen Buchblog passen,“ schreibt Steff und möchte mir trotzdem ein Buch schicken. Als es ankommt, geht es mir ein bisschen wie an meinem ersten Tag in Köln: Ich wandere glücklich durch die Buchseiten wie durch die schwül-warmen Straßen am ersten Juli 2001, am Barbarossaplatz wird es langsam dunkel, und überall sind Menschen, zwischen Kyffhäuser und Zülpicher, lachend und schwatzend und scherzend und trinkend und manchmal auch schon deutlich schwankend. Und natürlich ist NACHTS NICHT WEIT VON WO von Peter Rosenthal (Herausgeber), Stefan Flach (Designer) und Michael Weißmann (Fotograf) ein Buch für meinen Blog, weil es ein ähnlich gutes, authentisches Erlebnis ist wie ebendieser Marsch durch die damals noch neuen Straßen. Das Buch ist matt und dunkel wie Stadt-Asphalt, kurz bevor der Regen drauffällt und das ganze Konfetti wieder zu matschiger Großstadtpampe macht. Die Beiträge sind von mehr als 15 Autoren und 11 Fotografen aus Köln-Ehrenfeld und dem Rest der Welt. Hier folgen Gedichte auf Songs, Kurztexte auf Zitate, Erzählungen auf Fragmente, Dunkelheit auf Abschied, Erinnerungen auf Morgengrauen – alles zusammengetragen und fotografisch in Köln Ehrenfeld angesiedelt, aber doch …

Edgar Rai, Im Licht der Zeit

Kopfkino mit Marlene.

Volià, die Zwanzigerjahre sind da. In den letzten Zwanzigern hätten wir jetzt das erste „Funkspiel“ im Radio angehört. Heute begleiten uns Hörbücher, Podcasts oder Hörspiele nahezu überallhin. Rund acht Millionen von uns hören täglich*, und es gibt Zeiten, da bin ich eine von ihnen. Gerade in der letzten Woche hat mir ein Hörbuch wieder das Leben gerettet, als meine Familie stressig, krank, chaotisch und alles das war, was Familien sein können, wenn sie nicht gerade ganz entzückend sind. Das Buch sprüht vor Witz und Zeitgeschichte – vielleicht hörst du ja auch mal rein.   IM LICHT DER ZEIT von Edgar Rai Willkommen in den Goldenen Zwanzigern, als der Stummfilm den Heldentod stirbt und der deutsche Tonfilm geboren wird: DER BLAUE ENGEL macht das bislang als völlig talentfrei geltende Revuemädchen Marlene Dietrich über Nacht unsterblich. Der Film, in dem sie als Varietésängerin Lola Lola einen gestandenen Professor zugrunde richtet, ist heute noch Kult. Der Roman des Wahlberliners Edgar Rai ist auch als Hörbuch erste Klasse. „Diese Beine werden es wohl noch mal weit bringen.“ (Marlenes Tante …

Melanie Raabe, Die Wälder

Vier Freunde und der böse Wolf.

„Der Anruf brachte alles zurück. Das Dorf und die Wälder. Das röteste Rot und das schwärzeste Schwarz.“ In ihrem neuen Thriller DIE WÄLDER bringt Melanie Raabe die Medizinerin Nina an die dunkelsten Abgründe ihrer Kindheit zurück: Ein Mädchen ist vor Jahren im Wald verschwunden. Keiner will es gesehen haben. Nur vier Kinder kommen der Wahrheit gefährlich nahe … Zur Story: Als Nina vom plötzlichen Tod ihres Schulfreundes Tim erfährt, ist sie völlig außer sich. Zumal Tim noch kurz vor seinem Ableben versucht hat, Nina zu erreichen. Hat er endlich das letzte Puzzleteil gefunden, um das Verschwinden seiner Schwester Gloria in seiner Kindheit aufzuklären? Dann trudelt auch noch einen Brief von Tim mit genauen Anweisungen ein, und Nina fackelt nicht lange: Sie macht sich auf den Weg in ihr Heimatdorf mitten im Wald, um an Tims Stelle die Wahrheit über Gloria herauszufinden – ausgerechnet mit dem Mann, den sie seit Kindertagen fürchtet. „Die Wälder, das bedeutet: kein Zurück mehr. Keine anderen Menschen mehr. Kein Handyempfang mehr. Die Wälder, das bedeutet: Ab jetzt bist du auf dich …

Ein_Jahr_Buchblog

Ein Jahr Buchblog. Eine Liebeserklärung.

Ich lehne mich zurück und denke nach. Vor genau einem Jahr habe ich den ersten Artikel auf Ninas Buchblog veröffentlicht, und wenn ich hier & heute beim ersten Kaffee Bilanz ziehe, dann wird mir eines klar: Der Blog hat mein Leben gerettet. Mein kreatives Leben, das früher zum Großteil aus Schreiben und Lachen und Stolzsein bestand und dann auf einmal gar nicht mehr.  Das Lesen und das Schreiben waren für mich von Anfang an zwei riesengroße Entdeckungen. Schon in der Grundschule habe ich mich gefühlt wie die absolute Superheldin, weil das, was da stand, auf einmal Sinn ergab. „Nein, Nina, nein“ waren die ersten Worte aus meinem Deutschbuch, die ich alleine lesen konnte. Die Nina aus dem Buch sollte nicht alleine über die Straße gehen. Die Nina mit der Nase im Buch war fasziniert. Das Lesen hat mich seitdem durch mein ganzes Leben begleitet. Es gab keinen Abend, keinen Morgen, keine Wartezeit, keinen Krankenhausaufenthalt, keinen Strandurlaub, keinen Sonntag, an dem ich nicht stundenlang gelesen habe. Lesen ist gute Isolation. Es blendet alle Probleme aus, und …