Jahr: 2019

Fantastische Freundschaft.

Als Kind wollte ich immer einen eigenen Drachen haben. Seit ich Melvin aus Die Geheimnisse von Oaks End kenne, fände ich ein Monster allerdings fast noch besser, auch wenn dieses hier noch am Anfang seiner Monsterausbildung steht: Melvin Theophilus Montgomery ist ein ziemlich cooler und irgendwie kuscheliger Vertreter seiner Art, und der zehnjährige Robin hat das Glück, ihn neuerdings zum besten Freund und Schutzmonster zu haben. Seit Robin den quirligen Melvin aus Versehen beim alten Druidenstein in Oaks End gerufen hat, wird er nicht mehr von seinen Mitschülern gehänselt (denen dann nämlich komische Dinge passieren). Und überhaupt ist das Leben im Haus des mürrischen Großvaters Rufus jetzt nicht mehr so eintönig und farblos, sondern lustig und aufregend.  Robin und Melvin entdecken in dieser ersten Geschichte Die Monsterprüfung gemeinsam allerlei Dinge, die Robin nie für möglich gehalten hätte. Allerdings warten nicht nur freundliche Wesen darauf, in Oaks End von der Monster- in die Menschenwelt zu gelangen, und im kleinen Städtchen ist auch nicht jeder, was er vorgibt zu sein. Gut, wenn man einen Hatchpatch zur Hand …

West, Carys Davies

Wahre, wilde Größe.

Manche Geschichten haben eine ganz eigene Kraft. WEST ist eine von ihnen. Denn das Romandebüt von Carys Davies zieht den Leser in seinen Bann wie ein reißender Fluss: In kurzen Sätzen und opulenten Bildern führt das Buch in einen unbekannten Wilden Westen und bleibt bis zur letzten Seite unvorhersehbar. Ich habe den Roman förmlich verschlungen. Mit „umwerfend“ (The Guardian), „ein Kleinod“ (The Toronto Star) und „Bravo“ (Deutschlandfunk) überschlagen sich die Kritiken. Verständlich, finde ich.  Pennsylvania im Jahr 1815. Als der einfache Maultierzüchter John Cyrus Bellman in der Zeitung die Nachricht einer unglaublichen Entdeckung liest, lässt ihm dies keine Ruhe mehr. Er packt zwei Gewehre, eine Decke und ein paar Bündel und macht sich zu Pferde in Richtung Rocky Mountains auf, um mit eigenen Augen zu sehen, was er gelesen hat. Dabei lässt der Witwer nicht nur seine Farm und das Land zurück, das er sich als Siedler zu eigen gemacht hat. Sondern er gibt auch seine Tochter Bess in die Obhut seiner lieblosen Schwester Julie. So beginnt der nur 204 Seiten lange Roman: mit einem …

Achtsam morden, Karsten Dusse

Zum Totlachen.

Zum Totlachen komischer Krimi um Anwalt Björn, der von seiner zickigen Frau ein Achtsamkeitsseminar aufgezwungen bekommt und dort lernt, wie man Stress wirksam eliminiert. Zum Beispiel den eigenen Mandanten per Mord. Geniale Idee, sehr witzig umgesetzt!

Lieblingsbücher, eine Auswahl

Die Lieblingsbuch-Lüge.

Letztens vor hundert Jahren haben mein Kollege Jens und ich nach Ewigkeiten im gleichen Büro festgestellt, dass wir das gleiche Lieblingsbuch haben. Seitdem sind wir in meinem Herzen quasi im gleichen Club, nämlich im „Straße-der-Ölsardinen-coole-Leute-Club“. Das Buch habe ich mal von meinem Vater geerbt, als der noch längst nicht gestorben war, und selbst damals fiel es schon ziemlich auseinander. Es riecht, wie ein altes Buch eben riechen muss – irgendwas zwischen nassem Hund und muffiger Bibliothekarin. Die Buchseiten sind so gelblich, als hätte ein Farbenblinder sie mit einem Insta-Retro-Filter bearbeitet. Trotzdem wird es geliebt, allein schon wegen seiner inneren Werte. Von mir. Und anscheinend ja auch von Jens und noch ein paar anderen Leuten.  Nur: Ehrlich gesagt habe ich Die Straße der Ölsardinen seit Jahren nicht mehr gelesen. Genau wie alle anderen Lieblingsbücher, die in meinem Herzen im besagten Club im Regal rumstehen. „Oh, das ist mein Lieblingsbuch“, sage ich auf einer Party/in der Kaffeeküche/in der Konzertpause/im Restaurant. Und ich meine je nach Tagesform Wassermusik/Moon over Manhattan/Fänger im Roggen oder den Kleinen Dämonenberater. Oder eben …

Washington Black, Esi Edugyan

Suche nach Freiheit.

Angst. Die ersten 80 Seiten umtreibt mich schlicht die Angst, denn Grausamkeit und Willkür bestimmen nahezu körperlich spürbar das Leben des elfjährigen Sklavenjungen WASHINGTON BLACK auf Barbados im Jahre 1830. Er ist Feldsklave auf einer Zuckerrohr-Plantage in den britischen Kolonien, wo man immer mehr afrikanische Sklaven unter härtesten Bedingungen heranschafft, um den steigenden Zuckerkonsum der reichen Oberschicht im Britischen Empire zu decken.  Die Plantagenbesitzer haben die Macht über alles und jeden auf der Insel, und nach dem Ableben des alten Masters stellt sich der neue als das personifizierte Böse heraus: Erasmus Wilde, so blass und weiß, dass er fast durchscheinend wirkt und so unglaublich grausam, dass man mit dem Schlimmsten rechnet, sobald er auf den Plan kommt. Wash, wie George Washington Black gerufen wird, ist mittendrin, nur leidlich geschützt von der mütterlichen Sklavin Big Kit. Und so überträgt sich sein Gefühl, jede Sekunde wachsam bleiben zu müssen, und wird erst allmählich erträglicher, als des Masters Bruder die Plantage besucht:  Christopher Wilde, seit Kindertagen Titch genannt, verkörpert als Entdecker und Erfinder den Freigeist eines Alexander von …

Tom Gates 14, Liz Pichon

Emils Kids Tipp: Tom Gates, „Voll auf den Keks.“

Tom Gates ist zurück, mit Band 14 „Voll auf den Keks (Gekrümelt wird immer)“. In diesem Band erzählt Tom, wie er und seine Band auf eine coole Song-Idee kommen.  Aber als erstes erklärt Tom, dass ihr euch mit diesem Buch gut vor Hausarbeiten drücken könnt! Das geht nämlich so: Halte das Buch einfach in der Hand, damit du beschäftigt aussiehst. Wenn dann deine Eltern kommen und sagen, dass du z.B. die Wäsche machen sollst, denken sie du liest grade. Und dann machen sie die Hausarbeit selber.  Springen wir etwas weiter vor, nämlich an diese Stelle: Tom und seine Bandfreunde standen in der großen Pause und redeten mit noch ein paar anderen Klassenkameraden über ihre Lieblingsbands. Derek, Norman und Tom waren sich einig, dass Dude3 ihre Lieblingsband ist. Natürlich fanden sie auch ihre eigene Band sehr gut. Die anderen waren sich auch einig: ihre Lieblingsband war Onedimension mit dem Song „Lasst uns alle singen, schalala“. Jetzt war Tom etwas neidisch. Vor allem, weil er, nachdem alle den Song im Chor sangen, sogar einen Ohrwurm hatte. Tom und seine Freude …

Die Verwandlung, Franz Kafka

Die Mutter aller Montage.

Gregor Samsa goes Graphic Novel: In Franz Kafkas „Die Verwandlung“ wacht der bekannteste Handlungsreisende der Weltliteratur eines Morgens als Schabe auf. Hier grandios umgesetzt mit düsteren, monochromen Illustrationen und Weltklasse-Szenen, die dem Klassiker von 1915 neues, cooles Leben einhauchen.