Monate: Februar 2019

Sowas kann auch nur mir passieren, Mhairi Mc Farlane

Kann passieren, muss aber nicht.

Das Wichtigste zuerst: Ich mag vorhersehbare Geschichten. Und ich mag Menschen, die sich am Ende kriegen. Ich mag sogar flache Geschichten, völlig egal ob deren Heldin gerade in High Heels durch NYC stöckelt, zur Regency-Zeit Walzer tanzt, in einer Steampunkt-Story ums Überleben kämpft oder auf den ersten Seiten eines Vampirromans abkratzt. Deshalb ist „Sowas kann auch nur mir passieren“ von Mhairi McFarlane eigentlich genau meine Baustelle.  Auf den ersten Seiten macht es auch echt Spaß, der Hauptfigur, die den nervigen Namen Georgina trägt, förmlich dabei zuzusehen, wie sie durch die kleinen und größeren Katastrophen ihres aktuellen Lebens stolpert.  Erst verliert sie ihren ohnehin schon unterirdischen Job als Kellnerin des schlechtesten Italieners weit und breit. Dann erwischt sie ihren Freund mit einer anderen im Bett, und dann stolpert sie über ihren Jugendschwarm, der sie offensichtlich total vergessen hat. Klar, dass sie das so auf keinen Fall stehen lassen kann. Während die Dinge ihren Lauf nehmen und die Hauptfiguren sich wieder näherkommen, lernt man dann die eine oder andere Nebenfigur kennen, mit der man am liebsten hundert Jahre betrunken …

Sophie Mas et al., How to be Parisian

Adieu Selbstzweifel. Salut Leichtigkeit!

Ich liebe dieses Buch. Ich möchte dieses Buch küssen und abends mit ins Bett nehmen, obwohl ich es schon zweimal gelesen habe. Weil es so schön durchgeknallt ist, sich nicht allzu ernst nimmt und sich irgendwo zwischen totaler Arroganz und offener Rebellion bewegt – eben genau so, wie die Pariserin selbst, die darin beschrieben wird. In How to be Parisian, wherever you are zeichnen Sophie Mas, Audrey Diwan, Caroline de Maigret und Anne Berest ein Frauenbild, bei dem man nicht weiß, ob man vor ihm niederknien oder lieber schnell aus dem Weg springen möchte. Interessant, eigenwillig, fast zwanghaft stilvoll und nicht gerade kompromissbereit. Wozu auch? Kompromisse sind ja auch ungefähr so französisch wie zu viele Accessoires oder Reue nach dem Fremdgehen. Die Pariserin beschäftigt sich eben lieber mit den wichtigen Dingen und neigt ohnehin dazu, “die Welt mittels Blogs und Büchern mit ihren Lebensweisheiten zu überschwemmen“. So kommen konsequenterweise auch im Buch die Lebensweisheiten zuallererst, als praktische Liste „zum Vorsagen vor dem allabendlichen Schlafengehen, selbst wenn man betrunken ist.“ „Hab keine Angst vorm Altwerden. Hab …

Perlen statt Plunder, Andrea Bruchwitz

Weniger ist Wow. Vom ästhetischen Minimalismus.

Ich habe einiges von meiner Mutter geerbt. Die Haarfarbe zum Beispiel, ihre Lebensfreude, ihre Hartnäckigkeit – und auch das schlechte Gewissen, nachdem man sich etwas Schönes nur für sich selbst gekauft hat. Nun ist meine Mutter in den Fünfzigerjahren aufgewachsen, war früh auf sich allein gestellt und weiß, wie es ist, wenn man wenig hat. Ihre (und meine) Lieblingsgeschichte ist die, dass sie den ganzen Monat quasi von einem Glas Milch und einem Brötchen am Tag gelebt hat, um sich am Ende des Monats eine Schallplatte zu kaufen. Meine Mutter war schlank, ja. Und sie konnte großartig Twist tanzen. Heute würde man das vermutlich Minimalismus nennen. Das wertschätzende Bestreben, sich alleine mit dem zu umgeben, was wirklich wichtig ist und dafür vieles andere aufzugeben. Perlen statt Plunder von Andrea Buchwitz beschreibt in diesem Sinne den „Ästhetischen Minimalismus“ als perfekte Lebensform, um durch das moderne, viel zu vollgepackte Leben zu kommen. Ganz gleich, ob man dazu nur die Wohnung, den Kopf oder auch gleich den ganzen Bekanntenkreis entrümpeln sollte. „Sie haben nur ein begrenztes Kapazitätengeflecht aus …

Das Café am Rande der Welt, John Strelecky

Vom Rumkurven und Finden.

„Lies das Buch“, sagt eine Freundin zu mir, während wir auf der Terrasse in der Sonne sitzen und darüber reden, dass wir beide vor Kurzem unsere völlig unterschiedlichen Jobs geschmissen haben, um wieder glücklich zu sein. „Klar“, sage ich, und kurz darauf halte ich ein dünnes Büchlein in den Händen, das so gar nicht danach aussieht, als könne es mir den Sinn des Lebens erklären, geschweige denn dafür sorgen, dass sich mein aktueller Gefühlsstatus von „weniger unglücklich“ in „glücklich“ ändert. Aber hey, es ist ein Buch. Und Bücher können Leben verändern. Also lese ich es. So ungefähr fünf Monate nach dem Tag auf der Terrasse. Die Handlung ist fiktiv, die Analogie fast schmerzhaft simpel: Das Café am Rande der Welt von John Strelecky ist der Klassiker für alle, die unterwegs sind, aber ihr Ziel längst aus den Augen verloren (und das ganze Umherirren auch langsam irgendwie satt) haben. Und so beginnt die Geschichte auch erst einmal damit, dass der Erzähler, ein krass gestresster Manager, sich in der Pampa verfährt und letztendlich in einem kleinen Café …