Jahr: 2019

Buch-Top5, 2019

Lesen, freuen, feiern: meine Buch-Top5!

So Leute, ihr seid wahrscheinlich schon längst damit beschäftigt, den Schampus kaltzustellen, das Paillettenkleid aufzuschütteln oder eure guten Vorsätze für 2020 an den Kühlschrank zu pinnen. Und ich sitze hier noch rum, gucke nach draußen und denke über Bücher nach, bevor die Welt sich wieder so schön weiterdreht und gute Freunde zum Feiern ins Haus spült. 2019 war ein turbulentes, gutes Jahr mit vielen kleinen Neuanfängen. 2020 kann ich das ausbauen, was ich angefangen habe, und ich freue mich riesig darauf. Aber welche Bücher haben es eigentlich so richtig gerockt, dieses Jahr? Hier sind meine ultimativen Top5! Die, die mich auch nach dem Zuklappen nicht mehr so schnell losgelassen haben. Die, die mich zum Lachen oder auch mal zum Heulen gebracht haben. Die mit den bildschönen Einbänden und den verrücktesten Einfällen. Ehrlich gesagt hätte meine Auswahl auch auf fünf andere fallen können, denn das Jahr war voll mit guten Geschichten. Ich wünsche dir einen super Start in die Zwanziger. Lass es krachen und tanze auf dem Zettel mit deinen guten Vorsätzen herum. Wir sehen uns, …

Noch alle Zeit, Alexander Häusser

Von Deichen und Fjorden und Träumen und Freiheit.

Können andere einen darum bringen, das eigene Leben zu leben? Können sie Träume aufhalten wie der Mond die Gezeiten aufhalten könnte? Oder ist man schlicht immer selbst schuld, wenn man sein Glück nicht gleich mit beiden Händen packt und dafür alles andere, alle anderen loslässt? NOCH ALLE ZEIT von Alexander Häusser erzählt anhand zweier Menschen, die sich rein zufällig begegnen, wie befreiend, steinig, traurig oder berührend es sein kann, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und so auch seine eigenen Konsequenzen zu erschaffen – und dass es allemal besser ist, mit diesen zu leben, als überhaupt nicht zu leben.  „Sie war krank. Eine Krankheit, für die es keinen Namen gab. Er nannte sie die Automatenkrankheit. Manchmal sprang sie an und funktionierte, als hätte man eine Münze eingeworfen. Und im Büro hatten sie wohl Kleingeld.“ Einer dieser Menschen ist Edvard, der nach dem Tod seiner Mutter vor vielen Fragen steht. Er hat sie nicht losgelassen, als der Vater damals wegging und starb. Als später das Glück vorbeikommt, hat Edvard schon alle Hände voll zu …

Das Geschichtsbuch

Schöner schlau werden.

Nur, damit wir das gleich am Anfang geklärt haben: Ich bin echt ziemlich doof. Ich meine jetzt nicht doof im Sinne von unsympathisch, sondern dieses armselige, peinliche Schuldoof. Mathe? Passables Grundschulniveau. Geographie? Ganz bitter. Geschichte? Kein Kommentar. Deshalb bin ich auch vor Freude förmlich hochgehüpft, als ich DAS GESCHICHTSBUCH aus dem Dorling Kindersley Verlag entdeckt habe: Endlich mal einer, der sich auf mein Niveau herunter bequemt und ein kurzweiliges Buch anbietet, bei dem man keine Knoten im Gehirn bekommt. Große Ereignisse, einfach erklärt. Das Buch macht genau das, was draufsteht und zwar ziemlich perfekt: Komplizierte Zusammenhänge werden endlich so dargestellt, dass man sie häppchenweise und ohne Vorkenntnisse inhalieren kann. Also kann man einfach mal in der Kaffeepause in die Französische Revolution reingucken oder nachlesen, was Cäsar so zu Fall gebracht hat. Toll finde ich, dass dabei die treibenden Ideen und Persönlichkeiten im Vordergrund stehen, nicht Jahreszahlen oder schnöde Details: Geschichtliche Strömungen werden anschaulich in einen Zusammenhang gesetzt, so dass man Weltbewegendes mit einem Blick versteht. Auch das Design: 1 plus mit Sternchen. Der kurzweilige Inhalt …

Gregs Tagebuch 14, Jeff Kinney

Emils Kids Tipp: Gregs Tagebuch 14, Voll daneben.

Das Buch wurde mir zugeschickt.* Ich habe mich total gefreut. Ich wollte es mir sowieso kaufen, aber jetzt muss ich das ja nicht mehr. Und jetzt kommen wir zum Buch: Gregs Tante stirbt. Zuerst kann er sich nicht an sie erinnern, denn Greg hat ziemlich viele Tanten – aber seine Mutter und sein kleiner Bruder erinnern sich. Dann fällt es ihm wieder ein: Es war die Tante, die immer böse Briefe geschickt hat, wenn man sich nicht für sein Geburtstagsgeld bedankte. Bald kommt dann die große Nachricht, dass Greg und seine Familie das ganze Geld der Tante erben. Greg und seine Familie überlegen, dass sie mit dem Geld das Haus renovieren könnten! Also holt Greg seinen Plan für sein Traumhaus. Früher wollte er immer in einer großen Villa leben, aber er dachte sich: Wenn er berühmt wäre, würden seine Fans alle wissen, wo er wohnt – und das wäre echt nervig. Also beschließt er, ein ganz kleines Haus zu bauen und die ganzen coolen Sachen unter der Erde zu bauen … Naja, ich will euch …

Nachttiger, Yangsze Choo

Juwel in Buchform.

Wer mich näher kennt, der weiß, dass „zu Tränen gerührt“ nicht gerade zu meinen Top-Drei-Allgemeinzuständen gehört. Trotzdem habe ich mir eben tief beeindruckt diesen bildschönen Fünfhundertseiten-Schinken ans Herz gedrückt. Wow, wie toll war das denn bitteschön. NACHTTIGER ist das zweite Buch der Malaysierin Yangsze Choo und das erste, das von ihr auf Deutsch verlegt wurde. Streckenweise liest es sich fast wie ein poetischer Thriller. Oder ein exotisches Märchen. Oder auch mal der reinste Liebesroman. Dieser ungewöhnliche Mix ist es auch, der mich total geflasht und betört hat. Abgesehen davon lese ich gerne Geschichten über ein Stück Geschichte, und wenn sie recht subtil daherkommt.   Britisch-Malaya in den Dreißigerjahren: Der chinesische Houseboy Ren setzt alles daran, um den amputierten Finger seines verstorbenen britischen Herrn zu finden. Denn eine Seele kann nur dann Ruhe finden, wenn alle Körperteile im Tode vereint sind. Genau neunundvierzig Tage hat der elfjährige Ren Zeit, um seine Mission zu erfüllen – so lange, wie Seelen sich noch auf Wanderschaft befinden. Glücklicherweise ergattert der Junge eine neue Arbeitsstelle bei Dr. William Acton, welcher …

Schund und Sühne, Anna Basener

Kitsch reloaded.

Letztens habe ich ein Interview mit Anna Baseler gelesen, die über zehn Jahre lang Groschenroman-Autorin war, bevor sie ihren ersten Roman verfasste. Ehrlich gesagt hatte ich bis dahin noch nie darüber nachgedacht, dass diese ganzen Heftchen nicht einfach so vom siebten Himmel fallen. Besagte Autorin war jedenfalls top im schwülstigen Schreiben, und unter dem Pseudonym Catharina Chrysander wurde sie die „erfolgreichste deutsche Groschenroman-Autorin“ (DIE ZEIT). Irgendwann hatte Frau Baseler sie dann alle mal gehabt, die Happy Ends. Fortan schrieb sie Romane: 2017 erschien ihr ausgezeichnetes Debüt ALS DIE OMA DEN HUREN NOCH TAUBENSUPPE KOCHTE, das im Schauspiel Dortmund auf der Bühne aufgeführt und aktuell fürs Kino verfilmt wird. Im Januar 2019 folgte SCHUND UND SÜHNE. Und da ich eine glühende Verfechterin des einfachen Wortspiels bin, ging mir das Buch einfach nicht mehr aus dem Kopf. Die Story ist simpel und kurzweilig: Eine Berliner Groschenroman-Autorin gelangt durch ein etwas nachlässig vergebenes Literaturstipendium auf ein Schloss in Niedersachsen. Selbstverständlich verliebt sie sich dort schon bald in den Prinzen – nur der steht auf Männer. Ende der Kitschgeschichte? …

Zerbrechliche Dinge, Neil Gaiman

Fantasy mit Format.

Wer das Unerwartete mag, wird diese Kurzgeschichten lieben: Neil Gaiman, Meister des Fantasyromans, setzt alle Regeln dieser Welt in schwarzhumorigen, skurrilen Geschichten außer Kraft. Lesetipp für alle, die kein Gesamtkunstwerk, sondern ein spaßiges, auch mal beklemmendes Sammelsurium erwarten.

Blood Orange, Harriet Tyce

Faszination des Fiesen.

Ich stehe in einem Pub irgendwo in London, und neben mir säuft sich eine Businessfrau gerade ihre Würde weg. Ihr Lidstrich ist verschmiert, ihr Rock unanständig hochgerutscht und ihre Sinne sind so vollkommen benebelt, dass sie wahrscheinlich gleich Sex auf dem Klo haben wird. Stop, nein, ich sitze zu Hause am Esstisch und schreibe beim Kaffee diesen Text. Aber so ungefähr fühlt es sich an, BLOOD ORANGE von Harriet Tyce zu lesen. Die oben erwähnte Frau könnte die Anwältin Alison Price sein, die im Roman gerade ihren ersten Mordfall bearbeitet. Wie immer stürzt sie sich in ihren Job und lässt dabei ein paar persönliche Angelegenheiten grob fahrlässig aus dem Ruder laufen. Beispielsweise ihre Rolle als Ehefrau und Mutter, die sie fortwährend mit Alkohol, impulsiven Exzessen und einem Verhältnis mit ihrem kaltherzigen Arbeitskollegen sabotiert. Ihr dabei zuzusehen, tut ein bisschen weh. Aber es ist auch zu spannend, um den Krimi wegzulegen. Sauber gestrickte Demontage. Da die Autorin selbst rund zehn Jahre Prozessanwältin war, bringt der Mordfall die nötige Vielschichtigkeit mit, um spannend zu bleiben: Mandantin Madeleine …

Letzte Rettung: Paris, Patrick deWitt

C’est la fucking vie.

Letztens war ich in New York, nur um dort festzustellen, dass ich eher der Paris-Typ bin. Mehr Charme. Weniger Banalitäten. Bessere Croissants. Im Roman LETZTE RETTUNG: PARIS von Patrick deWitt sind es zwei New Yorker, die nicht ganz freiwillig in die Stadt der Liebe aufbrechen, aber dort so wunderbar hinpassen wie die Mona Lisa ins Louvre: Frances und Malcom Price sind das wohl unterhaltsamste, verzogenste Mutter-Sohn-Duo in New York. Frances, Freigeist in Haute Couture und bissige Konversationspartnerin seit Kindertagen, führt ein Leben im totalen Luxus. Ihre legendäre Schönheit und ein paar Skandale haben sie zu der Art von Stil-Ikone gemacht, die auf keiner wirklich exklusiven Party fehlen darf. Der letzte Skandal war wohl der, ihren unanständig reichen Ehemann nach Tod durch Herzversagen im ehelichen Bett erkalten zu lassen und einfach in ein Luxus-Skiwochenende aufzubrechen. Frances‘ erwachsener Sohn Malcom, ein verschrobener Internatsschnösel ohne Antrieb, leistet seiner Mutter seitdem Gesellschaft – und natürlich der Kater Kleiner Frank, der laut Frances die Reinkarnation ihres toten Ehemannes ist. Leider muss sich das Duo, das das Leben bislang als ewige …